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ETF auswählen: Die wichtigsten Kriterien für Anfänger einfach erklärt
Aktualisiert: 7. Juli 2026
Das Auswählen des passenden ETF kann für Anfänger wie eine große Herausforderung wirken. Wenn du weißt, auf welche wenigen Punkte es tatsächlich ankommt, ist es gar nicht so schwer.
Warum die ETF-Auswahl viele Einsteiger verunsichern kann
Wenn du dich einmal daran gemacht hast, dich mit der Suche nach einem für dich möglicherweise passenden ETF zu beschäftigen, fällt dir als erstes wahrscheinlich auf: Der Markt ist riesig. Zu den verschiedenen ETFs gesellen sich noch viele verschiedene Anbieter, die häufig ETFs auf denselben Index anbieten – beispielsweise auf den MSCI World. Für ausreichend Verunsicherung ist damit erst einmal gesorgt. Tatsächlich sind die Unterschiede oft minimal – und genau das macht die Auswahl einfacher als sie wirkt.
Anhand weniger Kriterien kannst du relativ schnell den passenden ETF für dich finden.
Schritt 1: Strategie festlegen, bevor du einen ETF auswählst
Zunächst solltest du dir klarmachen, welche Strategie du für deinen Vermögensaufbau eigentlich umsetzen möchtest. Ein paar der beliebtesten Methoden von Privatanlegern habe ich in einem Grundlagenartikel über Anlagestrategien bereits vorgestellt. Und falls du dir nicht wirklich im Klaren bist, was ein ETF überhaupt ist, findest du alle Grundlagen im ETF-Grundlagen-Artikel.
Schritt 2: Drei Kriterien die wirklich zählen
ETFs sind deutlich weniger komplex in den Auswahlkriterien als es beispielsweise bei der Auswahl von Einzelaktien der Fall ist. Aber auch hier kannst du dich in dutzenden Details wochenlang verlieren und kommst am Ende trotzdem nicht zu einem befriedigenden Ergebnis. Die Qual der Wahl eben.
Das Schöne an vielen ETFs ist, dass die Zusammensetzung bereits festgelegt ist – du musst also keine einzelnen Aktien auswählen. ETFs wie der DAX 40, S&P 500 oder Eurostoxx 50 bilden einen bestehenden Index nach und sind in ihrem Aufbau bereits klar definiert.
Für dich als Anfänger sind deshalb eigentlich nur diese drei Punkte relevant:
- Die Risikostreuung und Regionen
Welchen Markt möchtest du mit deiner Strategie abbilden? Dabei geht es weniger darum, den Gewinner der Zukunft vorherzusagen, sondern eine Streuung zu wählen, in die du langfristig investieren möchtest.
Ist dir der DAX 40, also der deutsche Leitindex, breit genug und siehst du hier Chancen für die Zukunft? Oder soll es lieber „extrabreit“ gestreut sein wie im MSCI World, der mehr als tausend Unternehmen aus Industrieländern abbildet? Oder eine regionale Streuung wie beim S&P 500, der die 500 größten börsennotierten Unternehmen der Vereinigten Staaten von Amerika abbildet?
- Die jährlichen Kosten für die Verwaltung
Abgekürzt: TER. Das steht für „Total Expense Ratio“. Dieser Prozentwert gibt an, welche Kosten der Herausgeber des ETF jährlich für die Verwaltung verlangt.
Wichtig zu wissen ist hier, dass die Kosten eines ETF in der Regel deutlich günstiger sind als bei aktiv verwalteten Fonds. Unter anderem deshalb, weil sie festen Regelwerken folgen und sich kein Team von Fondsmanagern immer wieder mit der Suche und Auswahl von neuen Anlagemöglichkeiten für den Fonds beschäftigen muss. Zum Beispiel, wenn die Deutsche Börse AG die Zusammensetzung des DAX 40 ändert – dann müssen die DAX-40-ETF-Anbieter dieser neuen Zusammensetzung folgen, ob sie wollen oder nicht. Kein ETF-Anbieter kann diese Änderungen hinterfragen oder ignorieren.
Da die jährlich anfallenden Kosten (TER) vom ETF-Anbieter laufend im Fondsvermögen berücksichtigt werden, hast du keinerlei Verwaltungsaufwand. Dennoch sollte klar sein: Wenn ein ETF beispielsweise 0,20 % TER verlangt, reduzieren diese Kosten langfristig deine Rendite. Über viele Jahre kann dieser Unterschied durch den Zinseszinseffekt spürbar werden.
Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass ETFs zwar je nach Anbieter jährliche Verwaltungsgebühren kosten, viele Banken und Broker im Gegenzug kostenfreie Sparpläne ab 10 € für ETFs anbieten. Das heißt, du zahlst keine Gebühren für den Kauf. Somit verhält es sich umgekehrt zu Aktien – dort hast du keine jährliche Verwaltungsgebühr, aber Kosten, die beim Kauf entstehen.
Wie sich die TER auf die langfristige Vermögensentwicklung auswirken kann, zeigt die folgende Grafik.
(Vereinfachtes Rechenbeispiel. Tatsächliche ETF-Renditen können schwanken.)
Annahmen:
- Startkapital: 1.000 €
- Monatliche Sparrate: 50 €
- Angenommene Rendite vor Kosten: 7 % pro Jahr
- Anlagezeitraum: 30 Jahre
- Unterschied ausschließlich durch die TER
- Die orange Kurve zeigt die Vermögensentwicklung ohne laufende ETF-Kosten. Im Beispiel würde sich das Vermögen auf etwa 69.115 € entwickeln.
- Die grüne Kurve zeigt die Entwicklung bei einer TER von 0,20 %. Nach 30 Jahren läge das Vermögen im Beispiel bei etwa 66.290 €.
- Die blaue Kurve zeigt die Entwicklung bei einer TER von 0,50 %. Hier würde das Vermögen im Beispiel etwa 62.300 € betragen.
Hinweis: Das Rechenbeispiel berücksichtigt keine Inflation. Es zeigt ausschließlich, wie sich unterschiedliche TER auf die langfristige Vermögensentwicklung auswirken. Wie sich Inflation auf die Kaufkraft deines Vermögens auswirkt, erfährst du im Artikel „Inflation einfach erklärt“.
Auch wenn die Unterschiede bei der jährlichen Gebühr zunächst gering wirken, summieren sie sich über einen langen Zeitraum. Der Grund dafür ist der Zinseszinseffekt, der nicht nur Gewinne verstärken kann, sondern auch die Auswirkungen von Kosten. Der Unterschied zwischen 0,0 % und 0,5 % TER beträgt im Beispiel nach 30 Jahren fast 7.000 €. Die TER wird nicht jedes Jahr zusätzlich von deinem Konto abgebucht. Sie wirkt sich indirekt auf die Wertentwicklung des ETF aus.
- Das Fondsvolumen bzw. die Größe
Die Größe eines ETF gemessen am verwalteten Vermögen – auch „Assets under Management“ oder kurz AuM genannt – ist ein oft unterschätztes Kriterium. Ein ETF, der vielleicht neu am Markt und noch klein ist, läuft Gefahr, wieder vom Anbieter geschlossen zu werden. Auch ein „alter“ Fonds kann aufgrund von mangelndem Interesse der Anleger klein bleiben und wieder geschlossen werden.
Das bedeutet konkret: Du wirst nicht gefragt ob du verkaufen willst. Der Fonds wird entweder zwangsweise aufgelöst und dir dein Kapital inklusive bis dahin erzielter Rendite ausgezahlt – jedoch zu einem Zeitpunkt den du dir nicht aussuchen kannst – oder er wird in einen anderen Fonds überführt. Beides kann steuerliche Konsequenzen haben und kostet zumindest Nerven. Allerdings wirst du mit ausreichend Vorlaufzeit über solche Vorhaben durch deine Bank oder Broker informiert und kannst selbst vorher aktiv werden.
Viele Anleger orientieren sich deshalb an einer Fondsgröße von etwa 100 Millionen Euro oder mehr. Kleinere ETFs sind nicht automatisch schlecht, können aber eher vom Anbieter geschlossen werden.
Diese Kriterien kannst du danach prüfen
Neben den drei wichtigsten Kriterien gibt es noch weitere Punkte, die du bei der ETF-Auswahl berücksichtigen kannst – aber nicht musst. Für den Einstieg sind sie zweitrangig. Wer jedoch etwas tiefer ins Thema eintauchen möchte, sollte zumindest wissen was diese Begriffe bedeuten.
- Ausschüttend oder thesaurierend
Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden und Erträge regelmäßig aus – du siehst das Geld direkt auf deinem Konto. Thesaurierende ETFs reinvestieren diese Erträge automatisch und verstärken damit den Zinseszinseffekt. Welche Variante besser zu dir passt, hängt davon ab ob du laufende Erträge möchtest oder lieber langfristig wachsen lässt.
- Physisch oder synthetisch – und wie genau wird repliziert?
Ein physischer ETF kauft tatsächlich die Aktien die im Index enthalten sind – entweder vollständig (alle Aktien) oder per Sampling (nur die wichtigsten). Ein synthetischer ETF bildet den Index hingegen über sogenannte Swaps nach – also über Vereinbarungen mit anderen Finanzinstituten, ohne die Aktien direkt zu halten.
Für Anfänger gilt: Physisch ist transparenter und einfacher zu verstehen. Synthetische ETFs sind nicht unbedingt schlechter, aber etwas komplexer in ihrer Konstruktion. Für den Einstieg ist das ein Detail das vernachlässigt werden kann und erst bei vertieftem Interesse wirklich relevant wird.
Typische Fehler bei der ETF-Auswahl
Bei der ETF-Auswahl können auch Fehler passieren. Und damit ist nicht gemeint, einen ETF zu wählen, der sich vielleicht nicht so entwickelt wie erhofft. Dieses Risiko besteht immer.
Anfängerfehler sind eher die folgenden:
Zu sehr auf Renditen aus der Vergangenheit zu achten. Denn die Vergangenheit ist kein Indikator für die Zukunft. Wenn man den MSCI World↗ als Beispiel heranzieht, so stellt man fest, dass dieser sich in den vergangenen zehn Jahren mit etwa 10-12 % Rendite pro Jahr entwickelt hat. Langfristig lag die historische Entwicklung des MSCI World – je nach Betrachtungszeitraum – häufig im Bereich von etwa 7-9 % pro Jahr. Die letzten zehn Jahre lagen deutlich darüber, was vor allem durch die starke Entwicklung großer US-Unternehmen begünstigt wurde. Natürlich muss man vergangene Entwicklungen für die Entscheidungsfindung mit heranziehen – dann aber lieber etwas konservativer und den unteren Wert der Spanne annehmen. Wenn es besser läuft als angenommen, ist die Freude umso größer.
Wähle nicht unbedingt den „billigsten“ ETF in Hinblick auf jährliche Gebühren. Versuche stattdessen, einen etablierten Anbieter mit einer angemessenen Fondsgröße zu finden, um zum Beispiel das oben genannte Risiko einer Schließung des Fonds zu vermeiden.
Lege dir nicht zu viele verschiedene ETFs ins Depot. Zum einen überschneiden sich viele ETFs in Hinblick auf die enthaltenen Werte – MSCI World, FTSE All World, Nasdaq 100 oder S&P 500 überschneiden sich bei vielen Unternehmen, einfach aufgrund der USA-Dominanz. Und je spezialisierter deine Auswahl wird, desto kleiner werden in der Regel die ETFs vom Volumen her – was das Risiko einer Schließung wiederum erhöht. Suche dir je nach Strategie lieber einen bis drei etablierte ETFs aus. Es gibt genug Vielfalt am Markt, die häufige Überschneidungen verhindert und gleichzeitig die Möglichkeit bietet, breit zu streuen. Mit wachsender Erfahrung und Verständnis kannst du dein Portfolio natürlich auch nach und nach vergrößern und dich weiter spezialisieren.
Nachfolgend eine kleine Checkliste für dich, die das oben genannte kompakt zusammenfasst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Welchen Markt oder Index möchtest du abbilden? Global, regional oder thematisch?
- Welcher Index wird abgebildet?
- Wie hoch ist die TER?
- Wie groß ist der Fonds (AuM)?
- Physisch oder synthetisch?
- Ausschüttend oder thesaurierend?
- Nicht nur auf vergangene Renditen schauen
- Nicht den billigsten ETF wählen
- Nicht zu viele ETFs kaufen
Fazit: Den richtigen ETF zu finden ist nicht wirklich schwer
Wie du gerade sicherlich gemerkt hast, ist es gar nicht so kompliziert, den passenden ETF zu finden. Es reichen ein paar Punkte die man vorher prüfen sollte, um zu verstehen, was einen tatsächlich erwartet, wenn man sich erst einmal entschieden hat. Du musst auch nicht stundenlang im Internet recherchieren, wenn du erst einmal einen bestimmten ETF und Anbieter ins Auge gefasst hast. Deine Bank oder dein Broker stellt dir standardmäßig ein offizielles Informationsblatt – das sogenannte Key Information Document (KID) – zum ETF zur Verfügung. So kannst du ganz einfach die wichtigsten Punkte wie Fondsvolumen oder TER vor deiner Entscheidung prüfen.
Behalte dabei im Hinterkopf: Den perfekten ETF gibt es nicht. Gut geeignete ETFs für beinahe jede Strategie aber schon.
Entscheidend ist, dass du einen ETF auswählst, der zu deinen Zielen passt, dessen Funktionsweise du verstehst und den du auch in schwierigen Börsenphasen langfristig halten kannst.
Meine persönlichen Erfahrungen
Das Thema ETF – bei aller Einfachheit letzten Endes – kann am Anfang ziemlich komplex wirken. Da ich mit Aktien beim Investieren angefangen habe, kannte ich ETFs auch nur vom Hörensagen und durch Empfehlungen. Als es dann so weit war, dass ich mich damit beschäftigt habe, war es eine ganz andere Welt. Kennzahlen wie bei Aktien gab es so gesehen nicht, anhand derer ich den Preis als teuer oder günstig einschätzen konnte.
Auch war mir das Thema mit den jährlichen Kosten „suspekt“. Eine Aktie kostet nur einmal Gebühren beim Kauf und gegebenenfalls beim Verkauf, aber keine Verwaltungsgebühr auf jährlicher Basis. Als ich die Funktionsweise verstanden hatte und auch, was für große „Körbe“ ETFs eigentlich darstellen, waren mir die Kosten im Verhältnis zur Risikostreuung das Ganze wert. Sicherlich bieten ETFs nicht die Chance auf Kurszuwächse wie es Einzelaktien können, aber das müssen sie in meinem Fall auch nicht. Sie stabilisieren mein Portfolio und gleichzeitig habe ich bei sehr vielen Unternehmen, die ich nicht als Einzeltitel kaufen möchte, „einen Fuß in der Tür“. Und die Entwicklung der von mir gehaltenen ETFs ist teilweise deutlich besser als von Einzelaktien, die ich ebenso lange schon halte.
Zwei der von mir gehaltenen ETFs wurden auch schon jeweils einmal geschlossen bzw. sind einem anderen Anbieter aufgegangen. In meinem Fall verlief die Umstellung völlig unkompliziert. Ich wurde mit entsprechendem Vorlauf von meiner Bank informiert, dass die „alten“ ETFs zu einem neuen Anbieter übertragen werden und ihre Wertpapierkennnummer (WKN) sogar behalten werden. Am Stichtag der Umsetzung hat sich dann nur der Name des ETF in meinem Depot geändert, die WKN blieb gleich, sodass sogar die Sparpläne problemlos weitergelaufen sind.
Und selbst wenn der ETF geschlossen worden wäre: Entweder hätte ich dann meine Anteile vorher verkauft und das Geld nach Abzug der Steuer woanders wieder in ETFs investiert, oder es wäre zum Stichtag der Schließung automatisch passiert. Letztendlich wäre das Ergebnis für mich dasselbe gewesen: gegebenenfalls Steuern zahlen und anschließend das Geld wieder entsprechend meiner Strategie investieren. Deshalb würde ich die Größe eines ETF zwar berücksichtigen – sie aber auch nicht dramatisieren.
Vertiefende Beiträge
Der Zinseszinseffekt baut dein Vermögen auf. Die Inflation baut es gleichzeitig wieder ab. Wer nur das eine kennt, versteht den Vermögensaufbau nur zur Hälfte.
→ Inflation einfach erklärt: Der schleichende Kaufkraftverlust
Langfristig investieren ist das Eine – die passende Vorgehensweise das Andere. Lerne die Vor- und Nachteile von Einmalkäufen und Sparplänen kennen.
→ Sparplan oder Einmalkauf – welche Strategie passt besser zu dir?