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Notgroschen aufbauen: Wie viel brauchst du wirklich?

Aktualisiert: 6. Juli 2026

Wie viel Geld du als Notgroschen brauchst, hängt von deiner persönlichen Situation ab – doch es gibt klare Orientierungspunkte, die dir beim Ermitteln und Aufbau helfen.

Wofür ist ein Notgroschen überhaupt da?

Stell dir zuerst einmal vor, du fährst morgens zur Arbeit. Dort angekommen findet eine außerordentliche Betriebsversammlung statt, in der verkündet wird, dass das Werk, in dem du arbeitest, bald geschlossen wird. Als wäre das nicht schlimm genug, bleibt auf dem Heimweg dein Auto mit Motorschaden liegen. Kaum ist das Auto abgeschleppt und du endlich zu Hause, stellst du fest, dass deine Waschmaschine die Wohnung unter Wasser gesetzt hat.

Zugegeben: Klingt eher unwahrscheinlich und mehr nach Hollywood als dem realen Leben. Dennoch haben alle oben genannten Ereignisse eines gemeinsam, egal in welchem Abstand sie eintreten: sie kosten viel Geld.

Und genau dafür ist ein Notgroschen da: um in unerwarteten Situationen handlungsfähig zu bleiben – ohne in finanzielle Bedrängnis zu geraten. Er verhindert, dass du in einem ungünstigen Moment Aktien oder ETFs verkaufen musst, nur weil unvorhergesehene Kosten anfallen. Denn wer investiert, sollte nur Geld anlegen, das er nicht kurzfristig braucht.

Je nach Lebensabschnitt, Situation und den damit verbundenen Verpflichtungen kann die Höhe deines finanziellen Puffers unterschiedlich ausfallen. Übrigens völlig unabhängig davon, ob du an der Börse investiert bist oder nicht. Auch wenn du gerade ein Haus gekauft oder Festgeld angelegt hast, solltest du einen Notgroschen haben. Selbst wenn du überhaupt kein Investment geplant hast – einfach darauf zu hoffen, dass schon alles gut gehen wird, ist die ungünstigste Option. Hoffe das Beste, aber erwarte das Schlimmste, wie es so schön heißt.

Warum ein Notgroschen die Grundlage für den Vermögensaufbau ist

Einen Notgroschen aufzubauen kann schwierig sein – bedeutet es doch, kontinuierlich Geld beiseite zu legen. Erst recht wenn man bei null anfängt. Aber auch dieser Schritt ist ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste, beim Vermögensaufbau.

Der Notgroschen federt Engpässe ab und hilft dir, deinen Verpflichtungen nachzukommen – von der Miete und den laufenden Lebenshaltungskosten bis hin zur Kreditrate für das Eigenheim. Es wäre äußerst ungünstig, Aktien oder ETFs verkaufen zu müssen, nur weil plötzlich Geld benötigt wird. Du würdest dein eigenes Vorhaben zum Vermögensaufbau torpedieren. Doch genug von den Schreckenszenarien – lass uns über das Erreichen sprechen.

Wie hoch sollte dein Notgroschen sein?

Eine immer wieder genannte pauschale Höhe des Notgroschens liegt bei 3–6 Monatsausgaben. Hier spielen natürlich dein persönliches Sicherheitsbedürfnis, Lebensstil und deine Verpflichtungen eine wesentliche Rolle.

Bist du Arbeitnehmer mit sicherem Job und Anspruch auf Arbeitslosengeld ist dein Risiko im Ernstfall überschaubar. Als Selbstständiger hingegen – ohne Arbeitslosengeld und mit selbst zu tragender Krankenversicherung – sieht die Rechnung ganz anders aus. Ähnliches gilt für Familien mit Kindern und laufendem Hauskredit im Vergleich zu einem Single ohne große Fixkosten.

Als grobe Orientierung können folgende Werte dienen:

  • Angestellte mit sicherem Einkommen: eher mindestens 3 Monatsausgaben.
  • Familien oder Eigenheimbesitzer: eher 4–6 Monatsausgaben.
  • Selbstständige: oft 6 Monate oder mehr.

Die ehrlichste Antwort lautet deshalb: So viel, dass du nachts ruhig schlafen kannst – ohne dabei jeden Monat auf alles verzichten zu müssen

So berechnest du deinen persönlichen Notgroschen

Der erste Schritt in Richtung Notgroschen ist eine realistische Betrachtung deiner Einnahmen – also Lohn oder Gehalt, mögliche Nebeneinkünfte und weitere regelmäßige Einnahmen.

Im nächsten Schritt schaust du dir alle monatlichen Ausgaben an: Miete, Strom und Wasser, Telefon, Internet, Streamingdienste und Kredite, die bedient werden müssen. Auch jährlich anfallende Kosten wie Versicherungen oder Vereinsbeiträge sollten auf Monate heruntergebrochen werden. Lass dabei nichts aus. An der ein oder anderen Stelle wirst du vielleicht sogar ein „Aha-Erlebnis“ haben und eine Ausgabe finden, die für dich keinen Nutzen mehr bietet und gekündigt werden kann.

Die beiden Aufstellungen stellst du gegenüber. Im Idealfall bleibt dabei ein monatlicher Überschuss übrig. Genau dieser Betrag kann für den Aufbau deines Notgroschens genutzt werden. Außerdem erkennst du Optimierungspotenzial – vom Kündigen nicht mehr relevanter Dienste über die Möglichkeit, Kosten durch Vergleiche zu sparen. Potenzial gibt es genug: KFZ-Versicherung, Stromanbieter, Handyverträge und Internetanbieter. Verstehe solche Vergleiche nicht nur als Kostenersparnis, sondern als Vermögensbildung.

Schulden zuerst abbauen oder den Notgroschen aufbauen?

Falls du bereits Kreditkarten- oder teure Konsumkreditschulden hast, solltest du diese ebenfalls in den Blick nehmen. Die Zinsen darauf sind häufig deutlich höher als die Rendite, die du mit einem Investment langfristig erwarten kannst.

Ein Notgroschen ersetzt also nicht den Schuldenabbau – beides gehört zu einer soliden finanziellen Grundlage. Denn: Jeder Prozentpunkt Zinsen, den du nicht zahlen musst, wirkt wie eine sichere Rendite in gleicher Höhe – ganz ohne Risiko.

Wenn du dann einmal an dem Punkt angekommen bist, dass du einen monatlichen Betrag ermittelt hast, der für den Aufbau des Notgroschens in Frage kommt: Prüfe besser nochmal nach, ob du nicht zu optimistisch bist. Du hast ja neben deinem Vorhaben des Notgroschen- und Vermögensaufbaus auch noch ein Leben. In diesem möchtest du essen gehen, Urlaub machen und reisen und so weiter. Sei nicht zu ehrgeizig, sonst bereitet es keine Freude und wirkt wie Entbehrung.

Wohin mit dem Notgroschen?

Hast du deinen monatlichen Überschuss ermittelt und weißt wie viel du beiseitelegen kannst, stellt sich die nächste Frage: Wohin mit dem Geld?

Aus meiner Sicht eignet sich ein Tagesgeldkonto am besten für den Notgroschen. Dort bleibt dein Geld jederzeit verfügbar und liegt nicht unverzinst oder kaum verzinst auf dem Girokonto.

Zum einen ist das Tagesgeldkonto genauso flexibel wie ein Girokonto. Zweitens erhältst du dort in der Regel eine kleine Verzinsung, die zumindest ein bisschen zusätzliche Rendite bringt oder die Inflation einigermaßen ausgleicht. Und zu guter Letzt sind deine Konten getrennt, sodass du nicht Gefahr läufst, den Notgroschen anzufassen.

Je einfacher das Geld erreichbar ist, desto größer ist die Versuchung, es für Dinge auszugeben, die eigentlich kein Notfall sind. Das Ganze führst du bequem mit einem Dauerauftrag durch – und schon bildet sich der Puffer quasi von selbst.

Der wahre Wert eines Notgroschens

Ein guter Notgroschen bringt dir in den meisten Fällen keine nennenswerte Rendite. Sein wahrer Wert liegt darin, dass er verhindert, dass du in schwierigen Situationen schlechte finanzielle Entscheidungen treffen musst.

Meine persönlichen Erfahrungen

Einen Notgroschen zu haben, ist aus meiner Sicht das A und O, bevor es ans Investieren geht. Wie ich im ersten Grundlagenartikel schon geschrieben habe, hatte ich meine Finanzen immer gut im Griff. Ich wollte nie in die Situation geraten, einen Kredit aufnehmen zu müssen, nur weil etwas Unerwartetes passiert.

Natürlich war mein finanzieller Puffer früher etwas kleiner als heute. Als Single und mit weniger Verantwortung für Familie und alles, was dazugehört, lebt es sich unbeschwerter. Außerdem war mein Einkommen als Berufsanfänger ein anderes als heute. Dennoch ist es so, dass sich mein persönlicher Puffer im Verhältnis über die Jahre in etwa gleich gehalten hat – trotz steigendem Einkommen und veränderter Lebenssituation.

Es gab auch Zeiten, in denen ich tatsächlich auf meinen Notgroschen angewiesen war. Als ich Anfang der 2010er-Jahre eine berufliche Weiterbildung gemacht habe, habe ich meine Arbeitszeit reduziert, um mich darauf konzentrieren zu können. Einen BAföG-Kredit wollte ich vermeiden, einfach weil ich eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Schulden habe. Also habe ich die Weiterbildung und alles, was dazugehört, aus eigener Tasche finanziert. Ich wusste, wofür ich es mache – und eine Investition in sich selbst ist mindestens genauso wertvoll wie ein Investment an den Kapitalmärkten. Beides zahlt sich langfristig aus.

Nachdem die Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen war, lief auch mein damaliges Beschäftigungsverhältnis aus. Das Ergebnis war: Ich war zwar höher qualifiziert, stand aber ohne Job da. Ungünstig war außerdem, dass mir das Arbeitsamt eine dreimonatige Sperrzeit auferlegt hat, weil ich einen Aufhebungsvertrag unterschrieben hatte, statt eine formale Klärung einzuleiten oder den Weg über das Arbeitsgericht zu gehen. Abgesehen davon, dass ich es damals nicht besser wusste, war ich froh, noch einen kleinen Puffer zu haben, der mir beim Übergang ins neue Arbeitsverhältnis geholfen hat. Vier Wochen nach Ende des alten Jobs war ich bereits wieder beschäftigt.

Glück im Unglück könnte man sagen. Und gut aufgefangen – dank des Notgroschens.

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