Strategie & Risiko | Grundlagen Teil 6/11

Anlagestrategie für Anfänger: Welche passt zu dir?

Aktualisiert: 17. Juni 2026

Du hast deine Finanzen im Griff und bist bereit für die ersten Käufe – aber welche Anlagestrategie passt eigentlich zu dir als Anfänger? Willkommen in der Welt der Finanzmärkte.

Was dir wahrscheinlich noch fehlt, ist eine passende Strategie für deine persönlichen Ziele.

Sicherlich hat jeder irgendwo das übergeordnete Ziel, irgendwann „reich“ zu werden. Vielleicht sogar so reich, dass man nicht mehr arbeiten muss. Und ehrlich gesagt: dagegen hätte wohl kaum jemand etwas einzuwenden.

Die Realität sieht allerdings meistens etwas anders aus.

Die wenigsten starten mit großen Summen an der Börse oder werden innerhalb weniger Jahre finanziell frei. Deshalb brauchst du eine Strategie, die es dir ermöglicht, kontinuierlich, dauerhaft und mit planbaren Beträgen zu investieren – ohne dabei unnötig hohe Risiken einzugehen.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, Geld anzulegen. Manche davon eignen sich gut für Anfänger, andere eher für erfahrene Anleger. Und die absoluten Profis machen sowieso oft ihr ganz eigenes Ding.

Hier möchte ich dir drei bei Privatanlegern beliebte Strategien zeigen.

Du wirst später ganz von selbst Erfahrungen sammeln und irgendwann anfangen, deine eigene Strategie und dein Portfolio Schritt für Schritt anzupassen.

Buy-and-Hold-Strategie: langfristig investieren einfach erklärt

Bei der klassischen Kaufen-und-Halten-Strategie kaufst du Aktien oder ETFs mit dem Ziel, diese möglichst lange zu halten – im Idealfall über Jahrzehnte oder sogar „für immer“.

Der Gedanke dahinter ist einfach:
Nicht ständig kaufen und verkaufen, nicht auf kurzfristige Kursschwankungen reagieren und nicht versuchen, den Markt (also die Summe aller Käufer und Verkäufer) dauerhaft zu schlagen.

Stattdessen investierst du langfristig und gibst deinen Investments Zeit zu wachsen. Natürlich möchtest du irgendwann auch einmal Geld aus deinem Depot sehen und nicht nur Zahlen auf einem Bildschirm betrachten. Deshalb funktioniert der „Forever“-Gedanke vor allem dann besonders gut, wenn deine Investments bereits jetzt oder irgendwann beginnen, Dividenden auszuschütten oder du später Schritt für Schritt Teile deines Portfolios verkaufst.

Andernfalls freuen sich irgendwann vor allem deine Erben über dein Durchhaltevermögen – du selbst hattest dann vielleicht etwas wenig davon.

Diese Strategie lässt sich sowohl mit ETFs als auch mit Einzelaktien gut umsetzen. Der Einstiegszeitpunkt spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, da hier vor allem die Zeit für dich arbeitet. Der Ansatz ist verhältnismäßig risikoarm gedacht, hängt aber auch von den ETFs oder Aktien ab, für die du dich entscheidest.

Dividendenstrategie einfach erklärt

Diese Strategie kann – genau wie die Buy-and-Hold-Strategie – über sehr lange Zeiträume oder sogar dauerhaft verfolgt werden. Der Fokus liegt hierbei auf der Auswahl von Einzelaktien, die über viele Jahre hinweg zuverlässig Dividenden ausschütten und diese möglichst regelmäßig erhöhen. So entsteht mit der Zeit ein stetiger Einkommensstrom.

Besonders beliebt bei Anlegern sind sogenannte Dividendenaristokraten oder Dividendenkönige.

Als Dividendenaristokraten bezeichnet man Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren ohne Unterbrechung erhöht haben. Schaffen sie das sogar über mindestens 50 Jahre, spricht man von Dividendenkönigen. Die Zahl solcher Unternehmen ist überschaubar. Denn es gehört einiges dazu, ein stabiles Geschäftsmodell über so lange Zeit zu halten und kontinuierlich weiter wachsen zu lassen.

Coca-Cola, McDonald’s, Procter & Gamble oder PepsiCo sind bekannte Beispiele dafür.

Es müssen allerdings nicht zwingend Dividendenaristokraten sein, damit ein Unternehmen für einkommensorientierte Anleger interessant wird. Auch viele andere Unternehmen erhöhen ihre Dividenden regelmäßig und haben durch hohe Gewinne gute Voraussetzungen, dies langfristig fortzusetzen.

Visa, Microsoft oder Apple sind Beispiele dafür. Die Dividendenrendite wirkt dort auf den ersten Blick oft eher niedrig, dafür fallen die jährlichen Steigerungen häufig deutlich höher aus als bei vielen klassischen Dividendenwerten.

Für Einkommensinvestoren gibt es dabei grundsätzlich zwei Wege:

  • Die Dividenden werden reinvestiert, um weitere Aktien zu kaufen und den zukünftigen Geldstrom über viele Jahre zu erhöhen. Hier kommt der Zinseszinseffekt voll zum Tragen.
  • Die Dividenden werden ausgezahlt und direkt konsumiert oder genutzt.

Meine Meinung dazu: Variante eins ist langfristig meist die deutlich bessere Option. Der Effekt ist simpel: Geld kann über Zeit mehr Geld hervorbringen.

Diese Strategie lässt sich gut mit Einzelaktien umsetzen, aber auch mit speziellen Dividenden-ETFs ergänzen.

Neben der Auswahl geeigneter Unternehmen entscheidet maßgeblich die Zeit über den eigentlichen Erfolg der Strategie. Denn bis sich ein spürbarer Einkommensstrom entwickelt, kann es dauern. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, Ausschüttungen nicht direkt auszugeben, sondern konsequent wieder zu investieren.

Growth-Strategie: in Wachstumsaktien investieren

Das Investieren in sogenannte Wachstumstitel ist ebenfalls eine sehr spannende und beliebte Strategie unter Privatanlegern. Hier investierst du bevorzugt in Unternehmen, die mit einer starken Idee oder einem innovativen Geschäftsmodell neue Märkte erschließen, Trends prägen oder sogar selbst erschaffen.

Ein bekanntes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist Netflix.

Heute kaum noch vorstellbar, aber Netflix hat ursprünglich DVDs per Post verschickt. Das Unternehmen hat jedoch früh erkannt, wohin sich die Welt entwickelt: schnelleres Internet, steigende Zahlungsbereitschaft für Inhalte und das enorme Potenzial von Streaming. Statt nur Inhalte zu lizenzieren, begann Netflix eigene Produktionen aufzubauen und wurde so unabhängiger von klassischen Filmstudios.

Das Ergebnis ist bekannt: Innerhalb weniger Jahre wurde aus einem DVD-Verleih ein globaler Streaming-Konzern.

Genau hier wird es spannend – und auch riskanter.

Solche Unternehmen früh zu erkennen, ihnen zu vertrauen und tatsächlich zu investieren, ist allerdings deutlich schwieriger, als es im Nachhinein aussieht. Es braucht nicht nur Geduld, sondern auch Mut.

Im Kern geht es darum, in Unternehmen zu investieren, die ihre Gewinne nicht hauptsächlich ausschütten, sondern wieder ins Wachstum stecken: neue Märkte erschließen, Marktanteile gewinnen, Wettbewerber verdrängen oder neue Produkte entwickeln. Oft passiert das lange, bevor Gewinne überhaupt sichtbar sind. Dieses Wachstum spiegelt sich im Idealfall später im Aktienkurs wider. Hohe Kursgewinne sind möglich, aber niemals garantiert.

Gerade Wachstumsunternehmen stehen oft unter hohem Erwartungsdruck. Wenn die Zahlen enttäuschen oder das Wachstum nachlässt, kann es auch schnell deutlich abwärts gehen. Und ganz egal wie gut das Wachstum ist: Irgendwann müssen auch diese Unternehmen nachhaltig Gewinne erwirtschaften. Starke Schwankungen gehören bei dieser Strategie deshalb ganz normal dazu.

Hier braucht es manchmal stärkere Nerven und die Fähigkeit, auch schwierige Phasen auszuhalten. Von den drei vorgestellten Strategien ist diese sicherlich die mit dem größten Risiko, aber auch den größten Chancen.

Warum deine Anlagestrategie flexibel bleiben sollte

Die drei Strategien, die du hier kennengelernt hast, sind kein vollständiger Überblick über alles, was an der Börse möglich ist. Es gibt viele weitere Ansätze – von sehr aktiven Strategien bis hin zu komplexeren Mischformen. Möglich wäre zum Beispiel auch ETFs als Kern einer Buy-&-Hold-Strategie, ergänzt durch gezielt ausgewählte Einzelaktien. Du wirst früher oder später – bewusst oder unbewusst – deine Strategie anpassen oder zu deiner eigenen Mischform finden. Die gewählte Strategie beim Investieren ist keine Entscheidung fürs Leben.

Für das grundsätzliche Verständnis, welche Ansätze möglich sind, reichen die drei oben genannten Strategien aber erstmal vollkommen aus.

Wichtiger als die perfekte Strategie ist ohnehin etwas anderes: dass du eine Richtung hast, mit der du dich wohlfühlst und die du langfristig durchhalten kannst. Denn die beste Strategie ist nicht die, die auf dem Papier am meisten verspricht – sondern die, die du in der Realität wirklich umsetzt.

Und genau das ist der Punkt, an dem aus einem guten Plan echtes Investieren wird.

Das war jetzt eine ganze Menge Theorie auf einmal.
Wenn du bis hierhin dabei geblieben bist und die Grundlagen in die Praxis umsetzen möchtest, geht es im nächsten Teil um den ersten konkreten Schritt: die Depoteröffnung – und wie einfach sie wirklich ist.

Meine persönlichen Erfahrungen

„Der größte Feind eines guten Plans ist der Traum eines perfekten“. Ursprünglich von einem preußischen General stammend, kann man diesen Satz auf viele Bereiche des Lebens übertragen.

Das Festhalten an einer Investitionsentscheidung kann ein solcher Bereich sein. Es gilt, flexibel zu bleiben und Anpassungen nicht zu scheuen.

Wenn ich zurückblicke, auf meine Anfänge an der Börse und die kaum vorhandene Strategie, dann wird mir immer wieder bewusst, wie sehr sie sich weiterentwickelt hat. Es gehört zur Strategieentwicklung dazu, Fehler zu machen, Rückschläge zu ertragen, Erfolge zu feiern, dazuzulernen und anzupassen. Es ist ein stetiges hin und her. Nicht von einem Tag auf den anderen. Mal bewusst, mal unbewusst.

Ich habe angefangen mit überwiegend deutschen Aktien die ich ohne wirkliche Strategie gekauft und kurz darauf zum größten Teil wieder verkauft habe. Zur Stabilisierung habe ich dann mit ETFs auf MSCI World und NASDAQ 100 angefangen. Meine erste wirklich strategische Entscheidung die bis heute anhält.

Angepasst und ergänzt habe ich die Strategie dann mit Tech-Unternehmen aus den USA und Dividendenaktien. Auch diese aus den USA weil dort nach meiner Auffassung die Unternehmen eine aktionärsfreundlichere Dividendenkultur pflegen. Und vier Ausschüttungen pro Jahr einfach auch psychologisch bei mir besser funktionieren als nur eine.

Meine angepasste Strategie ist: „Dividendenaktien im Kern mit breiten ETFs zur Stabilisierung und Growth Aktien für die Chancen“.  Der Fokus auf Dividenden einfach deshalb weil ich gerne Cashflow habe den ich reinvestieren kann, ohne Wachstumsaktien oder ETFs verkaufen zu müssen.

Bis ich bei meiner heutigen Strategie und dem passenden Portfolio angekommen bin, war es ein langer Weg. Aber er war spannend, voller Unsicherheit und lehrreich…und das Beste: Ich bin damit zufrieden.

Vertiefende Beiträge

Mehr zum Thema Reinvestition und Vermögensaufbau:

→ Dividenden reinvestieren – warum Wiederanlage langfristig so wirkungsvoll ist

Auf welche Kriterien du bei der Auswahl von ETFs achten solltest und worauf ankommt.

→ ETF auswählen: Die wichtigsten Kriterien für Anfänger einfach erklärt.

Langfristig investieren ist das Eine – die passende Vorgehensweise das Andere. Lerne die Vor- und Nachteile von Einmalkäufen und Sparplänen kennen.

→ Sparplan oder Einmalkauf – welche Strategie passt besser zu dir?

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