ETFs | Grundlagen Teil 4/11
ETF einfach erklärt – Grundlagen für Anfänger
Aktualisiert: 15. Juni 2026
Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit der Börse oder dem Investieren beschäftigt, hat von ihnen schon gehört: ETFs. Kaum ein Begriff fällt so häufig, wenn es ums Investieren geht. Und das nicht ohne Grund.
Aber was ist das eigentlich genau und warum werden sie sowohl von Profis als auch von unabhängigen Medien so häufig empfohlen?
Hier ist die Antwort.
Was ist ein ETF und wie funktioniert er?
ETF steht für „Exchange Traded Fund“. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie „börsengehandelter Fonds“.
Auch wenn ein ETF als einzelne Anteile oder im Rahmen von Sparplänen sogar in Bruchstücken gehandelt werden kann, bildet ein ETF meist einen Index oder einen Korb verschiedener Wertpapiere nach – häufig Unternehmensanteile, aber je nach ETF auch Anleihen oder andere Anlageklassen.
Wenn du einen ETF auf den NASDAQ 100, den DAX 40 oder den S&P 500 kaufst, investierst du indirekt in die Unternehmen, die in diesem Index enthalten sind. Im Fall eines NASDAQ-100-ETF investierst du also auf einen Schlag in Unternehmen wie Apple, Meta, Tesla, Amazon, Microsoft und viele weitere. Beim DAX-40-ETF sind es die 40 Unternehmen aus dem deutschen Leitindex und so weiter.
Der Unterschied zu einer einzelnen Aktie:
Wenn du nur eine Aktie kaufst, investierst du auch nur in ein einzelnes Unternehmen. Mit einem ETF investierst du dagegen gleichzeitig in viele verschiedene Unternehmen.
Warum sind ETFs so beliebt?
ETFs sind aus mehreren Gründen beliebt.
Zum einen gibt es für beinahe jeden Geschmack den passenden ETF. Für Anleger, die möglichst breit streuen möchten, bieten sich beispielsweise ETFs wie der MSCI World oder der FTSE All World an. Diese enthalten Unternehmen aus vielen verschiedenen Ländern und Branchen. Dividenden-ETFs fokussieren sich häufig auf Unternehmen, die regelmäßig Dividenden ausschütten. Technologie-ETFs investieren dagegen überwiegend in Unternehmen aus dem Technologiesektor.
Zweitens sind ETFs auch deshalb beliebt, weil sie in der Regel nicht aktiv gemanagt werden.
Sie folgen festen Regeln und bilden einen bestimmten Index möglichst genau nach. Entscheidungen darüber, welche Unternehmen aufgenommen oder entfernt werden, erfolgen dabei meist regelbasiert und nicht durch ein großes Team von Fondsmanagern. Dadurch entstehen häufig deutlich geringere Kosten als bei klassischen aktiv gemanagten Fonds.
Die Antwort ist also nein – ETFs sind nicht nur wegen der Kosten beliebt, sondern wegen der Kombination aus Auswahl, Einfachheit und Preis.
Welche Vorteile ETFs für Anleger haben
Ein großer Vorteil von ETFs ist die Risikoverteilung über viele Unternehmen gleichzeitig.
Kursverluste einzelner Unternehmen wirken sich meist weniger stark auf die Gesamtentwicklung aus, da das Risiko durch die Vielzahl an enthaltenen Unternehmen verteilt wird. Außerdem ermöglichen ETFs auch mit kleineren Beträgen einen einfachen Einstieg in die Welt des Investierens.
Klingt beinahe zu gut, oder? Neben diesen Vorteilen gibt es natürlich auch einige Punkte, die man kennen sollte.
Welche Risiken und Nachteile ETFs haben
Während einzelne Unternehmen den Markt deutlich schlagen können – aber natürlich auch stark fallen können – entwickeln sich ETFs in der Regel eher im Gleichschritt mit dem jeweiligen Index, den sie abbilden.
Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass ETFs nicht automatisch „sicherer“ sind. Da sie sich an den Kapitalmärkten orientieren, können auch ETFs zeitweise deutlich im Wert fallen – etwa während Wirtschaftskrisen oder Börsencrashs. Durch die breite Streuung fallen die Schwankungen jedoch häufig geringer aus als bei einzelnen Aktien.
Außerdem kosten ETFs dauerhaft Geld, da auch sie verwaltet werden müssen.
Diese Gebühren nennt man Total Expense Ratio, kurz TER. Die TER wird jährlich angegeben und direkt im Fonds verrechnet, du siehst sie also nicht als separate Gebühr. Je nach Anbieter und ETF fallen sie unterschiedlich hoch aus – zwei ETFs auf den gleichen Index können durchaus verschiedene TERs haben. Im Vergleich zu klassisch aktiv verwalteten Fonds sind sie jedoch in der Regel deutlich günstiger.
Was ist der Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs?
Viele ETFs legen Dividenden oder Ausschüttungen automatisch wieder im Fonds an. Man spricht dabei von einem thesaurierenden ETF.
Bei ausschüttenden ETFs hingegen werden die Erträge direkt an die Anleger ausgezahlt und du kannst selbst entscheiden, was du mit dem Geld machen möchtest. Im Prinzip funktioniert das ähnlich wie eine Dividendenausschüttung bei Aktien – nur dass es hier nicht ein einzelnes Unternehmen ist, das ausschüttet, sondern der gesamte Fonds.
Warum ETFs für Anfänger besonders geeignet sind
ETFs gelten deshalb nicht ohne Grund für viele Experten und Verbraucherportale als einfacher Einstieg in langfristiges Investieren.
Gerade für Anfänger eignen sich ETFs oft besonders gut für den Einstieg in die Welt der Kapitalmärkte. Die breite Auswahl an verschiedenen ETFs, die Möglichkeit bereits mit kleinen Sparraten ab etwa 10 Euro pro Monat zu investieren sowie die vergleichsweise geringen Kosten machen ETFs für viele Anleger zu einem idealen Einstiegsprodukt.
Wenn dir ETFs zu passiv sind oder du lieber selbst einzelne Unternehmen auswählst, führt kaum ein Weg an Aktien vorbei. Im nächsten Beitrag erfährst du die wichtigsten Grundlagen zu dieser Anlageform.
Meine persönlichen Erfahrungen
ETFs – was soll ich sagen. Es sind wirklich tolle Produkte und die Auswahl ist riesig. Von den bekannten Indizes, wie sie oben schon kurz genannt wurden, über Entwicklungs- und Schwellenländer, Nachhaltigkeit bis hin zu dividendenfokussierten ETFs. Es gibt für jeden Geschmack und jede Strategie den passenden.
Unter diesem Gesichtspunkt wirken die ETFs, die ich selbst bespare, beinahe langweilig und einseitig. Warum? Weil der MSCI World trotz seiner Größe von mehreren tausend enthaltenen Unternehmen, die weltweit verteilt sind, sehr USA-lastig ist. Das kommt einfach daher, dass die USA die größte Volkswirtschaft der Welt mit den größten Unternehmen ist und sich diese Dominanz auch in einem so breiten Index zeigt.
Die beiden anderen ETFs, in die ich regelmäßig investiere – NASDAQ 100 und S&P 500 – sind jedoch bewusste Entscheidungen für die USA gewesen. Der NASDAQ 100 enthält die 100 größten Unternehmen die an der Technologiebörse NASDAQ gelistet sind – überwiegend aus dem Technologiesektor und überwiegend aus den USA, aber eben nicht ausschließlich. Ich persönlich glaube langfristig weiterhin an Technologie – deshalb habe ich diesen Bereich bewusst stärker gewichtet.
Was den S&P 500 betrifft, der die 500 größten Unternehmen der USA enthält, ist die Streuung deutlich breiter. Hier gesellen sich zu den bekannten Tech-Konzernen auch Einzelhändler wie Walmart, Home Depot oder Öl-Multis wie Chevron und Exxon.
Der MSCI World und der NASDAQ 100 sind schon seit meinem Start an der Börse im Depot – einfach deshalb, weil sie sich aus meiner Sicht damals gut ergänzt haben und es bis heute tun.
Den S&P 500 habe ich erst später ins Depot genommen. Ich wollte einen dritten ETF der einerseits breit aufgestellt ist und andererseits die vielen US-Unternehmen enthält, die ich gerne zusätzlich im Depot abbilden wollte. Letztlich habe ich mich dafür entschieden – unter anderem aufgrund einer bekannten Investorenpersönlichkeit, die diesen Index seit Jahren positiv einschätzt: Warren Buffett.
Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass das auch die richtige Lösung für jeden Anleger ist. Welche Gewichtung sinnvoll ist, hängt am Ende immer von der eigenen Strategie, dem Anlagehorizont und dem persönlichen Risikoprofil ab.
Ob meine Wahl die beste ist, lässt sich schwer sagen. Bisher bin ich mit der Entwicklung zufrieden – und ich schlafe gut damit. Beim Investieren ist das oft mehr wert als viele denken.
Vertiefende Beiträge
Auf welche Kriterien du bei der Auswahl von ETFs achten solltest und worauf ankommt.
→ ETF auswählen: Die wichtigsten Kriterien für Anfänger einfach erklärt.
Langfristig investieren ist das Eine – die passende Vorgehensweise das Andere. Lerne die Vor- und Nachteile von Einmalkäufen und Sparplänen kennen.
→ Sparplan oder Einmalkauf – welche Strategie passt besser zu dir?