Aktien | Grundlagen Teil 9/11
Dividenden einfach erklärt
Aktualisiert: 25. Juli 2026
Dividenden. Neben dem Verkauf von Wertpapieren wohl eines der schönsten wiederkehrenden Ereignisse im Investorenleben. Doch woher kommen sie, wie funktionieren sie und was gilt es zu beachten, wenn du in Dividendenaktien investieren möchtest?
Hier sind die Antworten.
Übrigens: Einen Artikel zu möglichen Risiken beim Kauf von Aktien findest du hier: „Risiken beim Kauf von Aktien“
Was sind Dividenden eigentlich?
Dividenden sind Gewinnausschüttungen der Unternehmen an die Aktionäre. Sie sind weder ein Geschenk an dich noch eine Art von Zinsen.
Das Unternehmen beteiligt dich damit ganz einfach am Gewinn und schüttet einen zuvor vom Vorstand vorgeschlagenen Betrag an alle Aktionäre aus. Der auszuschüttende Betrag je Aktie wird festgelegt und du erhältst diesen – multipliziert mit der Anzahl der Aktien, die du besitzt – auf dein Verrechnungskonto gutgeschrieben.
Je mehr Aktien du besitzt, desto höher fällt entsprechend auch deine Dividendenzahlung aus.
Wie oft werden Dividenden ausgezahlt?
Wie häufig Dividenden gezahlt werden, hängt vom jeweiligen Unternehmen und auch vom Land ab.
Amerikanische Unternehmen schütten in der Regel einmal pro Quartal Dividenden an ihre Aktionäre aus. Bei deutschen Unternehmen findet meistens nur einmal pro Jahr eine Dividendenzahlung statt, häufig rund um die Hauptversammlung.
Wann du Anspruch auf Dividenden hast
Um Anspruch auf eine Dividendenzahlung zu haben, muss sich die Aktie zu bestimmten Stichtagen in deinem Depot befinden.
Bei amerikanischen Unternehmen gibt es entsprechend der vier Quartalszahlungen sogenannte „Record Dates“. Hast du die Aktie an diesen Tagen im Depot, bist du dividendenberechtigt. Kaufst du die Aktie nach dem Record Date, bist du für die nächste Ausschüttung nicht berechtigt, sondern erst wieder zum nächsten Record Date, sofern du die Aktie an diesem Tag besitzt.
Auch bei deutschen Unternehmen gibt es entsprechende Stichtage rund um die Hauptversammlung und den sogenannten Ex-Tag.
Was passiert am Ex-Tag?
Ein Punkt, der gerade Anfänger häufig verwirrt: Am sogenannten Ex-Tag wird die Aktie „ex Dividende“ gehandelt.
Das bedeutet:
Der Betrag, der als Dividende ausgezahlt wird, wird vom Aktienkurs abgezogen und die Aktie startet entsprechend mit einem Minus in den Handel. Ein einfaches Beispiel: Eine Aktie die 100 Euro Kurswert hat und 10 Euro Dividende auszahlt, startet also mit 90 € in den Handel, 10 Euro werden deinem Konto kurze Zeit später gutgeschrieben. Meist etwa 1-2 Tage später.
Das ist völlig normal und auch logisch, da die Dividende aus dem Gewinn beziehungsweise dem Vermögen des Unternehmens finanziert wird und sich durch die Ausschüttung der Cashbestand des Unternehmens reduziert.
Die Dividende macht dich also nicht reicher – sie verschiebt nur, wo dein Geld liegt. Und auch wenn der Aktienkurs zunächst nachgibt, bleibt das Potenzial von zukünftigem Kurswachstum erhalten. Und die Dividende, die du sicher hast, kann anderweitig investiert werden.
Deshalb sind Dividenden bei einkommensorientierten Anlegern so beliebt.
Warum Dividendenausschüttungen bei deutschen Aktien stärker auffallen
Bei amerikanischen Unternehmen fällt die Auszahlung oft weniger stark auf, da viermal pro Jahr eher kleinere Beträge ausgeschüttet werden. Bei deutschen Unternehmen wirkt der Ex-Tag dagegen oft deutlich auffälliger.
Das DAX-Unternehmen Munich Re hat zuletzt beispielsweise rund 24 Euro Dividende pro Aktie ausgeschüttet. Entsprechend eröffnete die Aktie am Ex-Tag mehrere Prozent im Minus.
Da reibt man sich erstmal die Augen, wenn man über die Ausschüttungstermine nicht informiert ist.
Was eine gute Dividende ausmacht
Unter einer guten Dividende verstehen viele Anleger in erster Linie einfach eine hohe Dividende. Ganz so einfach ist es aber nicht.
Zunächst solltest du wissen, wie sich die sogenannte Dividendenrendite überhaupt berechnet.
Wenn du über ein Tagesgeldkonto verfügst und die Bank dir einen Zinssatz von 2,5 % pro Jahr anbietet, erhältst du auf eine eingezahlte Summe von beispielsweise 1.000 Euro am Ende des Jahres 25 Euro gutgeschrieben.
Bei Aktien funktioniert das etwas anders. Da eine Dividendenrendite kein festgelegter Zinssatz ist, ergibt sich die Rendite aus dem Verhältnis zwischen der vom Unternehmen festgelegten Dividende und dem Kurs, zu dem du die Aktie kaufst.
Ein Beispiel:
Ein Unternehmen legt eine Dividende von 25 Euro je Aktie fest und du kaufst die Aktie zu einem Preis von 1.000 Euro, dann entspricht das einer Dividendenrendite von 2,5 %.
Kostet die Aktie bei gleicher Dividende dagegen nur 500 Euro, liegt die Dividendenrendite bereits bei 5 %.
Bei einem Aktienkurs von 2.000 Euro wären es hingegen nur noch 1,25 %.
Außerdem gilt:
Eine extrem hohe Dividendenrendite klingt zwar zunächst attraktiv, kann aber auch ein Warnsignal sein.
Warum eine hohe Dividende oft nicht der beste Maßstab ist
Da du nun weißt, wie sich die Dividendenrendite berechnet, wirst du bei deiner Suche nach Rendite früher oder später auch auf Unternehmen stoßen, die eine sehr hohe Dividendenrendite aufweisen.
Oft entsteht eine sehr hohe Dividendenrendite jedoch durch einen stark gefallenen Aktienkurs. Und dafür gibt es meist einen Grund.
Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät – aus welchen Gründen auch immer – ist es häufig nur eine Frage der Zeit, bis sich das auch auf die Dividende auswirkt. Von Kürzungen bis hin zum kompletten Aussetzen der Dividende ist dann nahezu alles möglich.
Wichtig zu verstehen:
Eine Dividendenzahlung ist im Gegensatz zu Zinszahlungen keine verpflichtende Zahlung. Unternehmen können sie jederzeit anpassen oder ganz streichen.
Es gibt jedoch auch Branchen, die traditionell vergleichsweise hohe Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Dazu zählen zum Beispiel Versicherungen, Banken oder auch die Tabakbranche. Hier sind Dividendenrenditen von über 4 % nicht ungewöhnlich.
Branchenriesen wie der Tabakkonzern Altria haben ihre Dividenden über viele Jahre hinweg regelmäßig erhöht – trotz immer wiederkehrenden regulatorischen Gegenwinds in der Branche. Hier liegt die Stärke in Preissetzungsmacht, hohen Margen und starker Kundenbindung – trotz rückläufigem Absatz bei klassischen Tabakprodukten.
Ob man aus ethischen oder moralischen Gründen in solche Unternehmen investieren möchte, ist eine persönliche Entscheidung.
Warum auch niedrige Dividenden attraktiv sein können
Es gibt auf der anderen Seite auch Unternehmen, bei denen die Dividendenrendite eher gering ausfällt. Microsoft oder Visa sind zwei Beispiele für Unternehmen mit einer Dividendenrendite von unter 1 %, gemessen am aktuellen Aktienkurs.
Gleichzeitig erwirtschaften diese Unternehmen sehr hohe Gewinne und schütten oft nur einen kleinen Teil davon als Dividende aus.
Das hat einen großen Vorteil:
Diese Unternehmen haben deutlich mehr Spielraum für zukünftige Dividendensteigerungen. Bei solchen Firmen sind jährliche Dividendenerhöhungen von 10 % oder mehr durchaus möglich.
Wer hier früh investiert und langfristig dabei bleibt, kann im Laufe der Zeit sehr attraktive Gesamtrenditen erzielen.
Im Gegensatz dazu haben Unternehmen wie Altria, die einen sehr großen Teil ihres Gewinns als Dividende ausschütten, deutlich weniger Spielraum für zukünftige Erhöhungen.
Auf den Punkt gebracht
Eine hohe Dividende bzw. Dividendenrendite ist nur eine Seite der Medaille.
Wichtiger ist es, Unternehmen zu erkennen, die stabile und nachhaltige Gewinne erwirtschaften und gleichzeitig genug Spielraum haben, um ihre Dividenden auch in Zukunft weiter zu steigern.
Entscheidend ist nicht, wie hoch die Dividende heute ist, sondern ob sie morgen, übermorgen und in zehn Jahren noch wächst. Genau dort entsteht langfristiger Vermögensaufbau – nicht im Moment der Ausschüttung, sondern in ihrer Entwicklung.
Damit du möglichst viel von deinen Dividenden behalten und direkt wieder investieren kannst, geht es im nächsten Teil um Steuern und Freistellungsaufträge – und wie du deine Steuerlast reduzieren kannst. Einfach erklärt versteht sich.
Meine persönlichen Erfahrungen
Ich liebe Dividenden. Ich mag es, wenn regelmäßig Geld auf meinem Verrechnungskonto eingeht, ohne dass ich dafür Aktien verkaufen muss. Das gibt mir einerseits ein Gefühl von Sicherheit, weil sich meine Investitionen „von selbst“ auszahlen. Andererseits kann ich die Beträge direkt wieder reinvestieren.
Natürlich ist das auch irgendwie nur die halbe Wahrheit, da die Ausschüttungen letztlich aus dem Cashbestand des Unternehmens stammen. Aber was da ist, ist da – oder?
Wie bereits erwähnt, sehe ich meine Strategie im Kern als Einkommensstrategie. Meine Investitionen sind über verschiedene Branchen verteilt und ich halte Unternehmen im Portfolio, die vergleichsweise hohe Dividendenrenditen zahlen. Dazu gehören zum Beispiel Energie-, Versicherungs- und Tabakkonzerne sowie Teile der Pharmaindustrie – oft die klassischen „Dividendenbranchen“.
Diese Unternehmen bieten in vielen Fällen nur begrenztes Potenzial für starke Dividendensteigerungen oder überdurchschnittliches Kurswachstum.
Daneben halte ich auch schon sehr lange Unternehmen, die gemessen am heutigen Kurs eine deutlich geringere Dividendenrendite zahlen. Zahlungsdienstleister und Tech-Konzerne, um nur zwei Branchen zu nennen. Diese Unternehmen bieten tendenziell mehr Spielraum für zukünftige Dividendenerhöhungen. Durch die niedrigere Ausschüttungsquote halte ich das Risiko von Kürzungen für geringer als in den oben genannten Branchen. Preissetzungsmacht, Innovation und die zunehmende Relevanz dieser Unternehmen in einer digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft unterstützen diese Einschätzung.
Und während die einen heute hohe Dividenden ausschütten, reinvestiere ich diese Erträge in Unternehmen, die in Zukunft selbst zu den stärkeren Dividendenzahlern in meinem Depot werden können.
Vertiefende Beiträge
Mehr zum Thema Reinvestition und Vermögensaufbau:
→ Dividenden reinvestieren – warum Wiederanlage langfristig so wirkungsvoll ist
Die wichtigsten Aktienkennzahlen wie KGV, EPS und Ausschüttungsquote einfach erklärt – und warum du sie nie isoliert betrachten solltest.
→ Aktienkennzahlen einfach erklärt: Die wichtigsten Kennzahlen für Anfänger
Wer in Einzelaktien investiert, sollte die wichtigsten Risiken kennen und richtig einordnen können, um fundierte Anlageentscheidungen zu treffen.