Strategie & Risiko | Grundlagen Teil 8/11
Aktien und ETFs kaufen: Wie viele sind wirklich sinnvoll?
Aktualisiert: 21. Juni 2026
Aktien und ETFs kaufen – aber wie viele denn eigentlich? Das ist eine der häufigsten Fragen die sich Anfänger früher oder später stellen. Eine feste Zahl gibt es nicht, aber ein paar Grundsätze die fast immer funktionieren.
Deine optimale Anzahl hängt immer von deiner persönlichen Strategie ab. Deshalb solltest du dir am Anfang nicht zu viele Gedanken über eine konkrete Stückzahl machen.
Denn die Realität ist: Es gibt unzählige interessante Unternehmen und ETFs – und gerade am Anfang ist die Versuchung groß, überall etwas haben zu wollen. Wichtiger ist es deshalb, bescheiden zu starten, Erfahrungen zu sammeln und ein Gefühl für die Börse zu entwickeln.
Und wenn du einmal auf den Geschmack gekommen bist, wirst du sowieso ständig neue spannende Unternehmen oder ETFs entdecken. Mit der Zeit wirst du in der Regel bessere und überlegtere Entscheidungen treffen.
Am Ende gilt: nicht übertreiben, den Überblick behalten und Schritt für Schritt aufbauen.
Wie viele ETFs du wirklich brauchst
Je nachdem, für welche Strategie du dich entschieden hast, kannst du die Auswahl und Anzahl deiner Aktien und ETFs gestalten.
Wenn du es möglichst bequem und langfristig angehen möchtest, reichen dir vielleicht nur wenige breit gestreute ETFs wie z.B. MSCI World, NASDAQ 100 oder FTSE All World. Vielleicht sogar nur ein einziger ETF am Anfang, um ein Grundverständnis für die Börsen zu erlangen.
Mit wachsender Erfahrung und Verständnis kannst du deine Strategie auch noch um spezialisiertere ETFs wie Schwellenländer oder Dividenden-ETFs erweitern. Das Ganze lässt sich bequem über einen ETF-Sparplan umsetzen — und der Anfang ist gemacht.
Du musst dich dabei deutlich weniger mit der Depotpflege beschäftigen und hast trotzdem ein sehr breit gestreutes Portfolio, das in nur wenigen Produkten gebündelt ist.
Einzelaktien sinnvoll nutzen
Möchtest du hingegen etwas aktiver werden, kannst du zusätzlich ausgewählte Einzelaktien hinzufügen. Idealerweise ergänzen diese deine Strategie, die du bereits mit ETFs verfolgst.
Die Auswahl einzelner Aktien bedeutet jedoch auch mehr Aufwand. Du solltest das Geschäftsmodell verstehen und dir mindestens die wichtigsten Kennzahlen anschauen. Im besten Fall kennst du das Unternehmen oder verstehst zumindest gut, womit es Geld verdient.
Warum also PepsiCo-Aktien kaufen, wenn du eigentlich lieber Coca-Cola trinkst? Beide Unternehmen funktionieren ähnlich, auch wenn sie nicht identisch sind.
Warum zu viele Aktien und ETFs ein Problem sein können
Du kannst nicht alles besitzen – und das ist auch gar nicht nötig.
Als grobe Orientierung, die häufig genannt wird, gilt: Für viele Anleger reichen 1–3 ETFs als Basis völlig aus. Wer zusätzlich Einzelaktien ergänzen möchte, ist mit etwa 10–20 Positionen oft gut aufgestellt – genug für Streuung, aber noch überschaubar genug, um den Überblick zu behalten.
Denn am Ende ist es nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Zeit, die man regelmäßig aufwenden muss, um die eigene Strategie mit den gesetzten Zielen abzugleichen.
Du musst nicht jeden Tag Börsennachrichten, Unternehmensmeldungen oder Quartalsberichte lesen. Trotzdem solltest du dich regelmäßig mit deinen Investments beschäftigen.
Hast du ein paar interessante Unternehmen gefunden und in die engere Auswahl genommen, stellt sich die Frage, wie viele Positionen im Depot sinnvoll sind und wie groß sie jeweils sein sollten.
Ein Depot mit 50 verschiedenen Aktien und ETFs, in denen jeweils nur kleine Beträge stecken, kann genauso nachteilig sein wie ein Depot, das nur aus einer oder zwei Positionen besteht. Der Pflegeaufwand ist hoch und die Übersicht leidet schnell darunter.
Ein stark konzentriertes Depot mit wenigen Positionen ist ebenfalls riskant. Fällt eine Aktie — oder im schlimmsten Fall beide — stark, kann das ganze Depot deutlich darunter leiden. Eine Erfahrung, die du nicht machen willst.
Viele Privatanleger haben diese Erfahrung bereits gemacht: Der Wunsch nach besonders hohen Renditen und eine zu geringe Risikostreuung haben schon viele Anleger dazu verleitet, große Summen in einzelne Unternehmen zu investieren — und damit zu scheitern.
Klasse statt Masse: die richtige Anzahl im Depot
Gerade Einsteiger machen häufig den Fehler, zu viele Aktien gleichzeitig kaufen zu wollen.
Dabei ist es oft sinnvoller, mit wenigen ETFs oder ausgewählten Unternehmen zu starten, die man wirklich versteht und langfristig verfolgen kann.
Am Ende ist nicht entscheidend, möglichst viele Aktien zu besitzen — sondern eine Strategie zu finden, mit der du dich langfristig sicher fühlst.
Wenn dein Depot langsam Form angenommen hat, stellt sich die nächste Frage: Wann verdienst du damit eigentlich Geld? Genau darum geht es im nächsten Teil – den Dividenden.
Meine persönlichen Erfahrungen
27 Positionen. Jetzt ist es raus. So viele verschiedene Wertpapiere umfasst derzeit mein Depot. Davon entfallen 3 auf ETFs und 24 auf Aktien von Unternehmen und REITs. REITs sind börsennotierte Immobilienunternehmen, die steuerlich anders behandelt werden und bei dividendenfokussierten Investoren beliebt sind – dazu gibt es einen eigenen Artikel.
Diese große Anzahl war nicht von Anfang an geplant. Sie hat sich im Laufe der Zeit einfach so ergeben – durch Strategieanpassungen, Risikostreuung auf verschiedene Branchen und zusätzliche Risikoverteilung innerhalb der Branchen selbst.
Ist das nicht das Gegenteil von dem was oben steht? Sollte es nicht übersichtlich bleiben?
Eindeutige Antwort: Jain. Zumindest in meinem Fall.
Als dividendenfokussierter Investor besteht mein Portfolio zum überwiegenden Teil aus sogenannten defensiven Aktien. Dazu gehört zum Beispiel Procter & Gamble – einer der größten Konsumgüterhersteller der Welt. Von Waschmittel über Rasierer und Shampoo bis hin zu Windeln gehören ihre Produkte zu den Dingen des täglichen Bedarfs. Das macht das Geschäftsmodell verhältnismäßig stabil. Die Zeiten explosiven Wachstums sind bei P&G lange vorbei – aber die Gewinne sind verlässlich, ebenso die Dividenden und deren regelmäßige Erhöhungen.
Und genau das hat Konsequenzen für den Pflegeaufwand: Ich lese in der Regel nur die kurze Zusammenfassung der Quartalszahlen. Das war es dann auch schon.
So setzt sich mein Depot zu großen Teilen zusammen – aus Konzernen aus den Bereichen Versicherung, Energie, Konsum und Finanzdienstleistungen. Stabile Geschäftsmodelle, verlässliche Dividenden, überschaubarer Aufwand. Dafür weniger Wachstum.
Natürlich habe ich auch einige aufregendere Titel im Depot, bei denen mehr Informationsbedarf besteht. Aber der Kern ist bewusst so aufgebaut – deshalb kann mein Depot auch etwas größer sein.
Weiter mit den Grundlagen
Vertiefende Beiträge
Auf welche Kriterien du bei der Auswahl von ETFs achten solltest und worauf ankommt.
→ ETF auswählen: Die wichtigsten Kriterien für Anfänger einfach erklärt.
Wer in Einzelaktien investiert, sollte die wichtigsten Risiken kennen und richtig einordnen können, um fundierte Anlageentscheidungen zu treffen.