Aktien | Grundlagen Teil 5/11

Aktien einfach erklärt – Grundlagen für Anfänger

Aktualisiert: 28. Juli 2026

Nachdem du im vorhergehenden Artikel erfahren hast, was ETFs sind und wie sie funktionieren, geht es im Folgenden um eines der ältesten Finanzinstrumente überhaupt: die Aktie – also die direkte Beteiligung an einem Unternehmen.

Und eines gleich vorweg: Die Idee hinter Aktien ist simpel – die Umsetzung an der Börse ist es nicht. Deshalb dient dieser Artikel der grundlegenden Erklärung, was eine Aktie tatsächlich ist. Auf Kennzahlen und weitere Faktoren, die für die Bewertung einer Aktie wichtig sind, wird hier bewusst nicht näher eingegangen – dafür gibt es hier einen eigenen Kennzahlen-Artikel.

Dann mal ran ans Werk.

Was ist eine Aktie und wie funktioniert sie?

Durch den Kauf einer Aktie wirst du zum Miteigentümer eines Unternehmens. Wie groß dein tatsächlicher Anteil ist, hängt nicht vom gezahlten Preis ab, sondern von der Gesamtzahl der ausgegebenen Aktien.

Diese Anzahl multipliziert mit dem aktuellen Kurs ergibt die Marktkapitalisierung – also den Gesamtwert des Unternehmens an der Börse. Deshalb sagt ein hoher Aktienkurs allein noch nichts darüber aus, ob ein Unternehmen groß, teuer oder günstig bewertet ist.

Vereinfacht ausgedrückt: Ein Unternehmen gibt 1.000 Aktien aus, jede kostet 100 €. Die Marktkapitalisierung beträgt somit 100.000 €. Besitzt du 10 Aktien, gehören dir 1 % des Unternehmens.

In der Realität gehen diese Zahlen bis in die Milliarden – Apple hat zum Beispiel rund 15 Milliarden Aktien im Umlauf.

Welche Aktienarten und Aktienklassen es gibt

Viele Unternehmen bringen nur eine Aktiengattung an die Börse – andere hingegen geben verschiedene Klassen heraus.

Ein typisch deutsches Beispiel sind die Stamm- und Vorzugsaktien. Volkswagen und BMW bieten beide Varianten an: Während die Stammaktie Stimmberechtigt ist, beispielsweise bei Abstimmungen auf der Hauptversammlung, wird je Aktie eine etwas geringere Dividende ausgeschüttet. Die Vorzugsaktie verzichtet im Gegenzug auf das Stimmrecht, bietet dafür eine leicht höhere Dividende. Auch können sich die Kurse leicht unterscheiden, obwohl beide Aktien vom gleichen Unternehmen stammen. Unterscheiden lassen sich beide Aktientypen zum einen über den Namen – das Kürzel „VZ“ hinter dem Namen steht für Vorzugsaktie – sowie durch die eindeutigen Wertpapierkennnummern (WKN).

Für dich als Einsteiger ist wichtig zu wissen: Aktie ist nicht immer gleich Aktie – Unterschiede gibt es somit nicht nur beim Kurs, sondern teilweise auch bei den Rechten.

Und: Nicht jedes Unternehmen zahlt seinen Aktionären eine Dividende. Unabhängig von eventuell vorhandenen Aktienklassen. Mehr dazu findest du im Artikel über Dividenden.

Bei US-amerikanischen Unternehmen ist die Praxis mit verschiedenen Aktienklassen noch ausgeprägter. Dort gibt es oft Class A, B oder C Aktien. Manche Klassen sind gar nicht öffentlich handelbar, sondern frühen oder institutionellen Investoren vorbehalten. Bei Alphabet sind Class A und C öffentlich handelbar – Class B nicht. Bei Meta besitzt Mark Zuckerberg Aktien mit zehnfachem Stimmrecht, um die Kontrolle zu sichern. Aber das nur am Rande.

Welche Pflichten Unternehmen gegenüber Aktionären haben

Aktiengesellschaften unterliegen besonderen Regelungen. Dazu gehört unter anderem die Pflicht, quartalsweise Zwischenberichte – die sogenannten Quartalszahlen – zu veröffentlichen. Anleger und Analysten verfolgen diese Termine oft sehr aufmerksam, denn dort wird die Unternehmensentwicklung der letzten drei Monate offengelegt und ein Ausblick gegeben. Weil an der Börse Erwartungen über die Zukunft gehandelt werden, können die Quartalszahlen den Kurs in beide Richtungen beeinflussen.

Einmal im Jahr findet die ordentliche Hauptversammlung statt. Dort steht der Vorstand Rede und Antwort, die vorgeschlagene Dividende wird beschlossen und Aktionäre können sich einbringen. Jeder Aktionär hat das Recht teilzunehmen – die Einladung kommt per Post oder über die Depotbank.

Unternehmen sind außerdem verpflichtet, kursrelevante Nachrichten sofort zu veröffentlichen – etwa wenn eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Unregelmäßigkeiten in der Bilanz feststellt.

Bestimmte Käufe oder Verkäufe von Aktien durch Personen mit besonderem Einblick in das Unternehmen müssen ebenfalls veröffentlicht werden.

Verbotener Insiderhandel – also das Ausnutzen nicht öffentlicher Informationen – ist streng reguliert und in vielen Fällen strafbar. Ebenso ist es illegal, wenn du über Insiderwissen verfügst und dieses gezielt an andere weitergibst, damit diese damit handeln. 

Wie ein Aktienkurs entsteht und was ihn beeinflusst

Der Aktienkurs entsteht nicht durch einen festen „Wert“, den ein Unternehmen vorgibt, sondern durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Tatsächlich hat ein Unternehmen nach der Ausgabe am Tag des Börsengangs nicht mehr viele Möglichkeiten, den Kurs zu beeinflussen. Durch die Veröffentlichung von Nachrichten bis hin zu Aktienrückkäufen ist eine indirekte Beeinflussung jedoch möglich.

Der Aktienkurs bildet den Preis, zu dem sich Käufer und Verkäufer gerade einig werden. Wenn mehr Menschen eine Aktie kaufen wollen als verkaufen, steigt der Kurs. Wenn mehr verkaufen wollen als kaufen, fällt er. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle – zum Beispiel Unternehmensnachrichten, Quartalszahlen oder auch allgemeine Marktstimmung und wirtschaftliche Entwicklungen.

Wichtig ist: Der Aktienkurs ist damit kein objektiver Wert des Unternehmens, sondern eher eine immer wieder neue Feststellung des Preises, der sich ständig an die Erwartungen der Anleger anpasst.

Auf einen Satz reduziert: Jeder Kurs ist immer nur der letzte gehandelte Preis – nicht ein berechneter Unternehmenswert.

Was Verwässerung und Aktiensplits für Anleger bedeuten

Neben der Preisbildung durch Angebot und Nachfrage gibt es auch Maßnahmen, die die Anzahl der Aktien verändern können.

Benötigt ein Unternehmen frisches Kapital, kann es neue Aktien ausgeben – meist an institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Staaten. Bei bestehenden Aktionären ist das wenig beliebt, weil es den Kurs „verwässern“ kann: Mehr Aktien im Umlauf bedeutet weniger Gewinn je Aktie, was sich negativ auf Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auswirkt. Mehr dazu im Kennzahlen-Artikel.

Ein Aktiensplit hingegen teilt bestehende Aktien – zum Beispiel im Verhältnis 1:10. Aus einer 100-€-Aktie werden zehn Aktien zu je 10 €. Die Marktkapitalisierung bleibt gleich, die Aktie wird nur kleinteiliger und für Kleinanleger zugänglicher. Eine rein kosmetische Maßnahme.

Das Gegenteil ist der Reverse-Split: Aus zehn Aktien wird eine. Ein Reverse-Split kann verschiedene Gründe haben. Häufig erfolgt er jedoch nach längeren Kursrückgängen oder um bestimmte Anforderungen von Handelsplätzen zu erfüllen.

Welche Risiken du als Aktionär tragen musst

Als Aktionär bist du direkter Teilhaber – mit allen Chancen und Risiken. Läuft es gut, winken steigende Kurse und Dividenden. Läuft es schlecht, drohen Kursverluste – im Extremfall ein Totalverlust.

Wichtig: Du haftest nicht mit deinem Privatvermögen. Der maximale Verlust ist auf dein eingesetztes Kapital begrenzt.

Im Falle einer Insolvenz stehen Aktionäre meistens weit hinten in der Reihenfolge möglicher Ansprüche. Gläubiger wie Lieferanten, Banken und Dienstleister werden zuerst bedient – die Wahrscheinlichkeit auf Schadensersatz ist gering, selbst wenn die Insolvenz durch Vorsatz oder Fahrlässigkeit herbeigeführt wurde.

Über die Risiken, die beim Kauf von Aktien entstehen können, gibt es hier folgenden Artikel: „Risiken beim Kauf von Aktien“.

Nicht so schwierig wie es aussieht

Auch wenn der obige Teil wahrscheinlich sehr viel Information auf einmal war und die Grundlagen nur an der Oberfläche gekratzt haben: Aktien – insbesondere die Bewertung zur Kaufentscheidung – sind komplex, das ist richtig.

Aber: Du musst das nicht alles sofort perfekt verstehen.

Zum einen gibt es viele gute Finanzseiten, auf denen du aktuelle Einschätzungen von Analysten, Kursziele und Unternehmensnachrichten schnell finden und einordnen kannst. Zum anderen lassen sich die wichtigsten Kennzahlen Schritt für Schritt lernen – und die Erfahrung kommt mit der Zeit ganz automatisch. Das Ziel sollte sein, nicht blind in Unternehmen zu investieren, deren Geschäftsmodell du nicht verstehst – oder nur weil irgendwo von der „nächsten 1000%-Chance“ gesprochen wird.

Wenn du die oben genannten Grundlagen sowie den Kennzahlen- und Dividenden-Artikel gelesen hast, hast du bereits eine solide Basis, um zu verstehen, was es bedeutet, eine einzelne Aktie zu kaufen – im Gegensatz zu einem ETF.

Aktien und ETFs zu verstehen ist nur der erste Schritt. Viel wichtiger ist die Frage: Wie investierst du eigentlich langfristig sinnvoll? Genau darum geht es im nächsten Beitrag – deiner Strategie.

Meine persönlichen Erfahrungen

Aktien – mein liebstes Anlageinstrument. Ja, ich bin am Anfang etwas auf die Nase gefallen, weil ich mich nicht wirklich mit den Unternehmen beschäftigt habe, sondern einfach drauflos gekauft habe. Von der bereits erwähnten Home-Bias bei der Auswahl bis zur naiven Annahme, dass DAX-Unternehmen automatisch „gut und sicher“ sind. Lektion gelernt.

Natürlich erfordern Aktien deutlich mehr und regelmäßigere Auseinandersetzung als ein ETF. Immerhin kauft man mit einer Aktie nur ein einziges Unternehmen – statt eines ganzen breiten Marktes. Die Auswirkungen von Nachrichten und Ereignissen sind spürbarer. Aber eben nicht nur im negativen Sinn. Ich habe mittlerweile eine breite Auswahl an Aktien im Depot, die ich mir alle gezielt nach verschiedenen Kriterien ausgesucht habe. Und natürlich sind nicht alle Gewinner.

Das Hauptkriterium war stets: Verstehe ich das Geschäftsmodell überhaupt? Dazu kommen die wichtigsten Kennzahlen wie das KGV, aber auch Unternehmensgröße, Produktauswahl, Wettbewerbsvorteile, mein Vertrauen als Endverbraucher sowie Dividendenausschüttungen und die Fähigkeit, diese zu erhöhen. Ich habe Chancen verpasst, weil mir Aktien nach Kennzahlen schlicht zu teuer erschienen. Aber ich habe auch schlimme Fehler vermieden – wie den Fall von Wirecard. Ich habe das Geschäftsmodell einfach nicht verstanden. Glück gehabt.

Eine gewisse Unsicherheit lässt sich nicht vermeiden, egal wie sorgfältig man vorher analysiert und auswählt. Risiken bleiben – genauso wie die Chancen.

P.S. Auf einer Hauptversammlung war ich übrigens noch nie, obwohl ich mir jedes Jahr vornehme, eine zu besuchen. Es soll auch Leute geben, die von Unternehmen nur jeweils eine Aktie besitzen, um bei der Hauptversammlung Würstchen zu essen.

Die von VW sollen jedoch sehr gut sein 🙂

Vertiefende Beiträge

Wer in Einzelaktien investiert, sollte die wichtigsten Risiken kennen und richtig einordnen können, um fundierte Anlageentscheidungen zu treffen.

→ Risiken beim Kauf von Aktien

Die wichtigsten Aktienkennzahlen wie KGV, EPS und Ausschüttungsquote einfach erklärt – und warum du sie nie isoliert betrachten solltest.

→ Aktienkennzahlen einfach erklärt: Die wichtigsten Kennzahlen für Anfänger

Gebühren sind der einzige Faktor beim Investieren, den du vollständig selbst kontrollieren kannst – und ihr Einfluss auf die Rendite ist größer als viele denken.

→ Gebühren beim Investieren: Wie sie deine Rendite beeinflussen

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