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Aktienkennzahlen einfach erklärt: Die wichtigsten Kennzahlen für Anfänger

Aktualisiert: 26. Juli 2026

Den Begriff Aktienkennzahlen hat sicherlich jeder, der sich für die Börse interessiert, schon einmal gehört. Was sich zunächst kompliziert anhört, bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass es sich um Zahlen handelt, die dir dabei helfen können, ein Unternehmen besser einzuschätzen.

Falls du übrigens noch nicht genau weißt, was eine Aktie eigentlich ist und wie Aktien grundsätzlich funktionieren, findest du hier eine einfache Erklärung: „Aktien einfach erklärt – Grundlagen für Anfänger.“

Vereinfacht kannst du dir Aktienkennzahlen wie die Informationen bei einem Autokauf vorstellen. Dort schaust du dir vermutlich zunächst den Kilometerstand, das Baujahr oder die Frage an, ob der TÜV noch gültig ist. Diese Angaben geben dir einen ersten Eindruck vom Fahrzeug – ob es am Ende wirklich ein gutes Auto ist, verraten sie dir aber noch nicht.

Genauso verhält es sich auch bei Aktien. Kennzahlen liefern dir erste Anhaltspunkte, wie ein Unternehmen wirtschaftlich dasteht. Sie sind jedoch nur ein Teil dessen, worauf es bei einer Bewertung bzw. Kaufentscheidung zu achten gilt.

Zum einen, weil Kennzahlen aus der Vergangenheit keine zuverlässige Aussage über die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens treffen können. Zum anderen, weil Schätzungen für die Zukunft eben genau das sind: Schätzungen – keine Garantien.

Das Dilemma dabei: Die Entscheidung musst du trotzdem im Hier und Jetzt treffen.

Wenn du jedoch weißt, auf welche Kennzahlen es ankommt und wie du sie richtig einordnest, hast du bereits erste Anhaltspunkte für deine Entscheidung.

Keine einzelne Kennzahl allein entscheidet darüber, ob eine Aktie gut oder schlecht ist. Erst das Zusammenspiel mehrerer Kennzahlen und das Geschäftsmodell des Unternehmens ergeben ein aussagekräftigeres Gesamtbild.

Werfen wir deshalb einen Blick auf die wichtigsten Kennzahlen im Detail.

Die wichtigsten Aktienkennzahlen und Bewertungsfaktoren auf einen Blick

  • Marktkapitalisierung
  • Umsatz- und Gewinnwachstum
  • Gewinn je Aktie (EPS)
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
  • Dividendenrendite
  • Ausschüttungsquote
  • Eigenkapitalquote
  • Analystenschätzungen

Marktkapitalisierung: Wie groß ist ein Unternehmen wirklich?

Die Marktkapitalisierung beschreibt den Börsenwert eines Unternehmens. Sie ergibt sich daraus, wie der Aktienmarkt das Unternehmen anhand des aktuellen Aktienkurses bewertet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um den tatsächlichen Wert eines Unternehmens, der sich beispielsweise anhand von Immobilien, Maschinen, Patenten oder anderen Vermögenswerten bestimmen ließe.

Berechnet wird die Marktkapitalisierung, indem die Anzahl aller sich im Umlauf befindlichen Aktien mit dem aktuellen Aktienkurs multipliziert wird. Eigentlich ganz einfach.

Trotzdem solltest du immer im Hinterkopf behalten, dass der Börsenkurs von vielen Faktoren beeinflusst wird. Erwartungen der Anleger, positive oder negative Unternehmensnachrichten, wirtschaftliche Entwicklungen oder allgemeine Markttrends können den Aktienkurs und damit auch die Marktkapitalisierung verändern.

Aktienkurse enthalten deshalb immer auch ein Stück weit Erwartungen an die Zukunft – und nicht nur den heutigen Wert eines Unternehmens.

Wichtig: Ein hoher Aktienkurs bedeutet nicht automatisch, dass ein Unternehmen größer oder wertvoller ist. Entscheidend ist immer die Marktkapitalisierung.

Diese Kennzahl gibt dir also vor allem einen Hinweis darauf, welche Größe ein Unternehmen an der Börse erreicht hat. Für viele Anleger spielt die Größe eines Unternehmens auch eine psychologische Rolle, da große Unternehmen häufig mit mehr Stabilität, einer längeren Geschichte und etablierten Geschäftsmodellen verbunden werden.

Allerdings bedeutet eine hohe Marktkapitalisierung nicht automatisch, dass ein Unternehmen ein besseres Investment ist. Auch große Unternehmen können vor Herausforderungen stehen oder an der Börse zu hoch bewertet sein.

Umsatz- und Gewinnwachstum: Wächst das Unternehmen?

Umsatz- und Gewinnwachstum sind wichtige Kennzahlen zur Beurteilung eines Unternehmens. Anhand steigender oder fallender Werte lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie sich ein Unternehmen entwickelt, ob die Nachfrage am Markt zunimmt oder rückläufig ist und ob grundsätzlich Wachstum erzielt wird.

Verglichen wird hierbei immer der aktuelle Wert mit dem Wert aus dem gleichen Vorjahreszeitraum. Dadurch lassen sich Unternehmen, deren Geschäft saisonabhängig ist, besser miteinander vergleichen. Zum Beispiel die Reisebranche, deren Geschäft im Sommer stärker ist, oder auch Spielwarenhersteller, die in der Regel stark von der Weihnachtssaison abhängig sind, um nur zwei Branchen zu nennen.

Nur auf das Umsatzwachstum zu achten, kann jedoch auch trügerisch sein, wenn nicht gleichzeitig die Kosten mit einbezogen werden. Ein Unternehmen kann seinen Umsatz zwar deutlich steigern, gleichzeitig aber auch sehr hohe Ausgaben haben. Zum Beispiel, wenn viel Geld in Werbekampagnen oder die Erschließung neuer Märkte investiert wird. Wachstumsunternehmen (englisch: Growth-Unternehmen) sind beispielsweise Unternehmen, die viel Geld in weiteres Wachstum investieren und dafür zunächst nur geringe Gewinne oder sogar Verluste in Kauf nehmen. Siehe hierzu auch den Beitrag „Anlagestrategie für Anfänger: Welche passt zu dir?“

Beim Gewinnwachstum verhält es sich, was den Betrachtungszeitraum angeht, wie beim Umsatz. Es wird ebenfalls immer der gleiche Vorjahreszeitraum zum Vergleich herangezogen. Da der Gewinn das Ergebnis darstellt, das nach Abzug aller Kosten erwirtschaftet wurde, ist er eine der wichtigsten Kennzahlen, wenn es um den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens geht.

Eine weitere interessante Kennzahl ist die operative Marge. Sie zeigt, wie viel vom Umsatz nach den Kosten des eigentlichen Geschäfts als Ergebnis übrig bleibt. Ein Unternehmen mit einem Umsatz von 100 Millionen Euro und einem operativen Gewinn von 20 Millionen Euro hätte beispielsweise eine operative Marge von 20 Prozent.

Gerade im Vergleich mit anderen Unternehmen aus der gleichen Branche kann die operative Marge interessant sein. Sie kann Hinweise darauf geben, wie effizient ein Unternehmen arbeitet und ob es möglicherweise Wettbewerbsvorteile besitzt.

Gewinn je Aktie (EPS): Wie viel Gewinn entfällt auf eine Aktie?

Der Gewinn je Aktie, im Englischen „Earnings per Share“ bzw. abgekürzt EPS, ist der auf alle sich im Umlauf befindlichen Aktien entfallende Gewinn. Wenn ein Unternehmen beispielsweise 2 Millionen € Gewinn pro Quartal macht und sich 1 Million Aktien im Umlauf befinden, ist der Gewinn je Aktie 2 € pro Quartal.

Die Berechnung ist simpel: 2.000.000 € / 1.000.000 Aktien = 2 €

Auch hier wird das letzte Quartal mit dem gleichen Quartal des Vorjahreszeitraums verglichen, um eine Zu- oder Abnahme festzustellen. Außerdem ist der Gewinn je Aktie die Berechnungsgrundlage für eine der wichtigsten Kennzahlen, wenn es um das Bewerten des Preises einer Aktie geht: das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV. Für dessen Berechnung wird meist der EPS der letzten vier Quartale zusammengerechnet.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Ist die Aktie günstig oder teuer?

Die Kennzahl KGV dient zur Beurteilung, ob eine Aktie „günstig“ oder „teuer“ erscheint.

Dazu wird der Gewinn je Aktie (EPS) der letzten vier Quartale zusammengerechnet. Anschließend wird der aktuelle Aktienkurs durch diese Summe geteilt.

Um beim Beispiel von oben zu bleiben und zu vereinfachen, nehmen wir an, dass das oben genannte Unternehmen folgende Gewinne je Aktie in vier aufeinanderfolgenden Quartalen ausweist: 1,50 € + 2,50 € + 3,00 € + 2,00 € = 9 € Gewinn pro Aktie und Jahr.

Nehmen wir weiter an, der Aktienkurs des Unternehmens beträgt 100 €, dann ist die KGV-Berechnung: 100 € / 9 € = 11,11 KGV.

So weit, so kraftlos zunächst in der Aussage. Du musst das KGV im Anschluss richtig interpretieren.

Grundsätzlich gilt, je niedriger das KGV, desto preiswerter ist die Aktie. Allerdings kann ein niedriges KGV auch mit einem fallenden Aktienkurs einhergehen. Dann sieht es auf den ersten Blick zwar günstig aus, aber wenn die Aktie immer weiter fallen sollte, ist es ja kein gutes Geschäft. Deshalb sollte geprüft werden, ob der Gewinn des Unternehmens so stark gestiegen ist, dass das KGV niedrig ist, oder ob der Kurs so weit gefallen ist und sich dadurch das niedrige KGV ergeben hat.

Umgekehrt ist ein hohes KGV auch nicht zwingend ein Hinweis darauf, ob eine Aktie teuer ist. Insbesondere Wachstumsunternehmen sind in der Regel höher bewertet, da der Markt in den kommenden Jahren auch überproportional steigende Gewinne erwartet. Dadurch kann ein Unternehmen auch dann noch günstig sein, wenn es ein KGV von 40 hat.

Deshalb ist es ratsam, sich vor einer Entscheidung auch immer Unternehmen aus der gleichen Branche (die sogenannte „Peer-Group“) als Vergleich anzusehen, um die vorliegenden Zahlen besser einordnen zu können. Vergleiche nicht Coca-Cola mit Tesla, sondern mit PepsiCo. Beide Unternehmen sind in der gleichen Branche unterwegs. Auch wenn das Geschäftsmodell nicht völlig identisch ist, sind sich beide Unternehmen doch sehr ähnlich und verkaufen weitgehend gleiche Produkte und sind in denselben Absatzmärkten aktiv. Vereinfacht gesagt: Vergleiche Äpfel mit Äpfeln und Birnen mit Birnen.

Außerdem solltest du dir historische Werte des Unternehmens ansehen. Wie war das KGV in den letzten 5-10 Jahren und welches KGV wird für die Zukunft geschätzt? Auch diese Werte können dabei helfen, den dir aktuell vorliegenden Wert besser einzuordnen.

Am Ende gilt auch beim KGV wieder: Es ist ein Puzzleteil, kein Urteil. Ein niedriges KGV allein macht eine Aktie ebenso wenig automatisch attraktiv, wie ein hohes KGV sie automatisch unattraktiv macht.

Dividendenrendite: Was sagt die Rendite wirklich aus?

Bei Unternehmen, die Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten, ist die Dividendenrendite eine wichtige Kennzahl. Die Dividendenrendite setzt die jährliche Dividende ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs. Zum Thema Dividenden, Dividendenrendite und worauf du achten solltest, findest du hier einen ausführlichen Artikel: „Dividenden einfach erklärt“

Ausschüttungsquote: Wie sicher ist die Dividende?

Die Ausschüttungsquote ist eine wichtige Kennzahl im Zusammenhang mit der Dividende. Daraus lässt sich ableiten, wie „sicher“ die Dividendenzahlungen und das Potenzial für Steigerungen in der Zukunft sein könnten. Angegeben wird die Ausschüttungsquote in Prozent. Die Zahl gibt letztendlich nur an, wie viel vom gesamten Unternehmensgewinn an die Aktionäre in Form von Dividenden ausgeschüttet wird. Je höher die Ausschüttungsquote, desto geringer ist der Gewinn, der dem Unternehmen bleibt, um Forschung und Entwicklung zu betreiben, Investitionen zu tätigen, Schulden abzubauen usw.

Außerdem kann eine hohe Ausschüttungsquote auch ein Warnzeichen sein. Wenn die Quote beispielsweise höher als 80 % beträgt, ist vielleicht weniger Spielraum für künftige Erhöhungen vorhanden. Wenn das Unternehmen dann wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommt, kann es sein, dass der Gewinn nicht ausreicht, um die Dividenden in gewohnter Höhe zu zahlen, und es wird nicht erhöht oder gar gekürzt.

Um kurz ein Beispiel aus dem Dividenden-Artikel wieder aufzugreifen: Während der Tabakkonzern Altria einen im hohen zweistelligen Prozentbereich liegenden Anteil des Gewinns als Dividende ausschüttet, geben Microsoft und Visa nur einen kleinen Teil davon weiter – was wiederum entsprechend mehr Spielraum für künftige Erhöhungen bedeuten kann.

Eigenkapitalquote: Wie solide ist ein Unternehmen finanziert?

Die Eigenkapitalquote gibt an, wie viel Prozent des gesamten Vermögens eines Unternehmens mit eigenem Kapital finanziert ist – im Gegensatz zu Fremdkapital, also Schulden. Berechnet wird sie, indem das Eigenkapital durch die Bilanzsumme (also das gesamte Vermögen) geteilt wird.

Ein Beispiel: Verfügt ein Unternehmen über 40 Millionen € Eigenkapital bei einer Bilanzsumme von 100 Millionen €, ergibt sich eine Eigenkapitalquote von 40 %. Die restlichen 60 Millionen € wären dann durch Fremdkapital finanziert, also Kredite und andere Verbindlichkeiten.

Grundsätzlich gilt: Eine höhere Eigenkapitalquote bedeutet meist eine solidere finanzielle Basis, da das Unternehmen weniger von Fremdkapitalgebern abhängig ist und auch wirtschaftlich schwierigere Phasen eher abfedern kann. Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalquote müssen in schwierigen Zeiten oft weniger Geld für Zinsen aufbringen und verfügen häufig über größere finanzielle Reserven. Eine niedrige Eigenkapitalquote ist dagegen nicht automatisch schlecht, sondern hängt stark von der Branche ab. Banken oder Versicherungen arbeiten beispielsweise systembedingt mit sehr niedrigen Eigenkapitalquoten, ohne dass das per se ein Warnsignal ist. Auch hier gilt daher wieder: Der Vergleich innerhalb der Peer Group ist entscheidender als ein absoluter Wert.

Analystenschätzungen: Wie hilfreich sind Prognosen?

Auch wenn Analysten nicht in die Zukunft blicken können und auch mal danebenliegen, ist es trotzdem hilfreich, einen kurzen Blick auf deren Einschätzung zu werfen, während du dich in der Entscheidungsfindung befindest. Zum einen handelt es sich bei Analysten um Spezialisten, die sich in vielen Fällen in den Branchen auskennen, in denen sie Unternehmen unter die Lupe nehmen. Zum anderen beschäftigen sie sich hauptberuflich damit und arbeiten sich in Bilanzen und Berichte von Unternehmen ein. Große Unternehmen werden von zig Analysten beobachtet. Im Anschluss geben diese eine Einschätzung zur Entwicklung des Unternehmens für die – in der Regel – nächsten zwölf Monate ab, in vielen Fällen auch mit einer Erwartung zum Aktienkurs. Aus all diesen Einzelbewertungen wird dann oft ein Durchschnittswert gebildet, der dir zumindest einen Hinweis geben kann, ob die Entwicklung eher positiv oder negativ zu erwarten ist.

Trotzdem solltest du Analystenschätzungen nicht blind übernehmen. Auch Profis liegen manchmal alle gemeinsam falsch, wenn sich eine bestimmte Meinung zu einem Unternehmen erst einmal am Markt durchgesetzt hat. Zudem denken viele Analysten eher kurzfristig, während du als langfristig orientierter Anleger möglicherweise eine ganz andere Perspektive einnimmst.

Warum Kennzahlen alleine nicht ausreichen

Wie du gesehen hast, sind Kennzahlen kein eindeutiges Instrument zur Bewertung einer Aktie, sondern müssen immer im Zusammenhang mit dem Unternehmen und seiner Branche betrachtet werden. Selbst eine vermeintlich einfache und eindeutige Kennzahl wie der Gewinn je Aktie ist nur dann aussagekräftig, wenn sie richtig auf das zu betrachtende Unternehmen angewendet wird.

Zusammen mit deiner Strategie, deiner Risikobereitschaft, deinem persönlichen Zeithorizont und deiner eigenen Einschätzung sind Kennzahlen jedoch sehr hilfreich und können bei der Kaufentscheidung von großem Nutzen sein.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Keine Kennzahl reicht alleine aus
  • Vergleiche Unternehmen immer innerhalb derselben Branche
  • Achte auf die Entwicklung mehrerer Jahre
  • Nutze Kennzahlen zur Orientierung, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage

Du musst nicht bei jeder Kaufentscheidung alle Kennzahlen im Detail durchrechnen. Mit der Zeit entwickelst du ein Gefühl dafür, welche Kennzahlen bei welchem Unternehmen besonders aussagekräftig sind.

Und um zum Autokauf-Vergleich vom Anfang zurückzukommen: Ob es ein gutes Geschäft ist, zeigt sich am Ende sowieso erst während der Fahrt.

Meine persönlichen Erfahrungen

Die Erkenntnis, dass Kennzahlen allein nicht als Maßstab für einen Kauf ausreichen, kam bei mir erst im Laufe der Zeit. Während ich meine ersten Käufe getätigt habe, habe ich Kennzahlen gänzlich ignoriert und bin nur nach der „Marke“ gegangen – das war der Home-Bias-Fehler, den ich bereits in einem anderen Artikel beschrieben habe. Da man bekanntlich aus Fehlern lernt, habe ich mich bei den nächsten Käufen auf das Analysieren von Kennzahlen eingelassen. Grundsätzlich war das richtig, allerdings war ich so von Kennzahlen „geblendet“, dass ich auch hier Fehler gemacht habe.

Ich habe vermeintlich günstige Aktien gekauft, die aus diversen Gründen „günstig“ waren und sich dafür ungünstig entwickelt haben. Und ich habe Aktien nicht gekauft, weil das KGV eher hoch war, ohne dies im richtigen Kontext zu betrachten, und dadurch Chancen bzw. Kursgewinne verpasst. Irgendwie hatte ich immer im Hinterkopf, ein KGV kleiner oder gleich 20 wäre okay, alles darüber teuer – habe ich irgendwo gelesen und verinnerlicht. Natürlich war das ein Fehler. Eine feste Zahl kann bei der Auswahl von Aktien schließlich nie für jedes Unternehmen gelten.

Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, wie man das Puzzle zusammensetzt und das Gesamtbild interpretiert. Und auch meine Erfahrung und mein Bauchgefühl spielen für mich eine Rolle. Selbst wenn auf dem Papier zunächst alles gut und stimmig erscheint, höre ich auch auf die Stimme im Kopf, die mich bestätigt oder ablehnt. Auch das ist wichtig für mich.

Als langfristig orientierter Anleger spielt es für mich heute eher eine untergeordnete Rolle, ob das durchschnittliche historische KGV zwei Punkte niedriger war als das heutige. Wenn ich einen Zeitraum von 10, 15 oder 20 Jahren und länger für eine Investition in Betracht ziehe, fällt das kaum ins Gewicht. Da stellen sich mir dann eher Fragen wie: Ist das Geschäftsmodell in 20 Jahren auch noch relevant, passt die aktuelle Dividendenrendite und besteht das Potenzial, dass diese langfristig steigen kann? Wie lange gibt es das Unternehmen schon, und wie war die Fähigkeit des Managements, sich immer wieder anzupassen über die vergangenen Jahrzehnte? Welchen Mehrwert bietet das Unternehmen gegenüber Wettbewerbern, und verfügt es vielleicht sogar über einen breiten und tiefen Burggraben, den die Konkurrenz nicht so leicht überwinden kann?

Für mich spielen bei den Entscheidungen, die ich im Hier und Jetzt treffen muss, eher die Faktoren eine Rolle, die sich nicht so leicht in Zahlen fassen lassen. Einfach deshalb, weil es diese Zahlen noch nicht gibt. Und wenn es diese Zahlen irgendwann gibt, hoffe ich natürlich, dass sie meine Einschätzung bestätigen. Eine Garantie gibt es dafür aber nie. Und genau das macht das Investieren für mich bis heute so spannend.

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