Strategie | Grundlagen Teil 3/10
Risiken beim Investieren verstehen – und richtig damit umgehen
…denn ganz vermeiden kannst du sie nicht.
Investieren ist immer mit Risiken verbunden. Egal ob du eine Immobilie kaufst, die sich nur schwer vermieten lässt, oder ob du in Aktien und ETFs investierst und zwischenzeitliche Kursverluste erlebst.
Die gute Nachricht ist: Auch wenn du Risiken nicht vollständig vermeiden kannst, kannst du sie verstehen und bewusst damit umgehen. Risiken gehören zum Investieren dazu – gleichzeitig sind sie einer der Gründe, warum langfristig überhaupt höhere Renditen möglich sein können.
Und wenn Aktienkurse fallen, bedeutet das zunächst, dass sich der aktuelle Wert deiner Investition verändert hat. Ein Verlust wird in der Regel erst beim Verkauf realisiert. Trotzdem sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kursverluste real sind und zum Investieren dazugehören. Umso wichtiger ist es, Risiken möglichst gut zu verstehen und bewusst einzugehen.
Genau deshalb ist es wichtig, sich vor dem Kauf mit den möglichen Risiken auseinanderzusetzen, statt erst dann darüber nachzudenken, wenn die Kurse bereits gefallen sind.
Und um ehrlich zu sein: Schwankungen und auch zeitweise Verluste gehören beim Investieren einfach dazu. Das ist kein Ausnahmefall, sondern ein normaler Teil der Kapitalmärkte.
Allgemeine Risiken
Allgemeine Risiken lassen sich häufig nur sehr schwer erkennen oder vorhersehen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die COVID-19-Pandemie. Von heute auf morgen stand plötzlich beinahe das komplette öffentliche Leben still. Weltweite Lockdowns sorgten dafür, dass die Börsen massiv unter Druck gerieten und viele Aktienkurse stark fielen.
Solche Ereignisse treffen oft nahezu den gesamten Markt gleichzeitig.
Als Privatanleger hast du in solchen Situationen meist kaum Einfluss darauf, was passiert. Wichtig ist dann vor allem, nicht in Panik zu geraten und Investments vorschnell mit hohen Verlusten zu verkaufen.
Ein weiteres allgemeines Risiko können außergewöhnliche Naturereignisse oder eine Häufung von Naturkatastrophen innerhalb kurzer Zeit sein.
Solche Entwicklungen lassen sich ebenfalls kaum zuverlässig vorhersehen. Anders als während der Corona-Pandemie betrifft die negative Entwicklung dabei allerdings häufig nicht den gesamten Markt, sondern eher bestimmte Branchen oder Unternehmen.
Besonders betroffen sein könnten in einem solchen Fall beispielsweise Rückversicherer wie Munich Re, die für große Schadenssummen aufkommen müssen.
Unternehmens- und Branchenrisiken
Unternehmens- und Branchenrisiken lassen sich häufig etwas besser erkennen und einschätzen als allgemeine Risiken.
Dabei kann es helfen, die eigene Umwelt aufmerksam zu beobachten und aktuelle Entwicklungen oder Nachrichten zu verfolgen.
Ein Beispiel dafür ist der langfristige Trend hin zu Elektromobilität und erneuerbaren Energien. Diese Entwicklung stellt ein Risiko für klassische Öl- und Gasunternehmen dar.
Auch wenn fossile Energieträger auf absehbare Zeit weiterhin benötigt werden, könnte der Bedarf langfristig zurückgehen — selbst dann, wenn der allgemeine Energieverbrauch und die Mobilität weltweit weiter steigen. Die Energie stammt künftig möglicherweise einfach aus anderen Quellen.
Weitere Risiken können durch veränderte Lebensgewohnheiten oder staatliche Eingriffe entstehen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Tabakindustrie.
Viele Menschen leben heute deutlich gesundheitsbewusster als noch vor einigen Jahrzehnten. Gleichzeitig versuchen Staaten und Regierungen durch höhere Steuern, Warnhinweise oder Werbebeschränkungen den Tabakkonsum zu reduzieren. Zum Beispiel, um die Gesundheitssysteme zu entlasten.
Dadurch entsteht für Tabakunternehmen langfristig das Risiko, langsamer zu wachsen oder sogar zu schrumpfen.
Zwar versuchen viele Konzerne, sich an diese Entwicklungen anzupassen — etwa durch Preiserhöhungen oder neue Produkte — trotzdem bleibt das grundlegende Risiko bestehen.
Das menschliche Risiko
Wahrscheinlich ist das menschliche Risiko eines der größten Risiken überhaupt.
Denn hinter jedem Unternehmen stehen Menschen, die Entscheidungen treffen — und genau diese Entscheidungen können große Auswirkungen haben.
Werden wichtige Zukunftstrends zu spät erkannt, an den falschen Stellen gespart oder zu lange an veralteten Abläufen und technischen Systemen festgehalten, kann das Unternehmen langfristig an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.
Dadurch entstehen häufig ineffiziente Prozesse, höhere Kosten oder Nachteile gegenüber der Konkurrenz.
Im schlimmsten Fall reichen Fehlentscheidungen sogar bis hin zu vorsätzlichen kriminellen Handlungen. Die Liste möglicher Risiken ließe sich beinahe endlos fortsetzen.
Die gute Nachricht ist allerdings: Die meisten Unternehmensleitungen handeln verantwortungsvoll und stehen gleichzeitig unter ständiger Beobachtung.
Vorstände, Aufsichtsräte, Aktionärsvertreter und auch die Finanzpresse kontrollieren und bewerten regelmäßig die Entscheidungen des Managements.
Auch du bist ein Risiko
…aber wahrscheinlich das Risiko, das du selbst am besten kontrollieren kannst.
Viele schlechte Entscheidungen an der Börse entstehen nicht durch Unternehmen oder Krisen, sondern durch Emotionen. Angst, Ungeduld, Gier oder Panik können dazu führen, dass Anleger genau im falschen Moment kaufen oder verkaufen.
Deshalb ist es wichtig, die eigenen Entscheidungen regelmäßig zu hinterfragen und nicht blind irgendwelchen Trends oder Schlagzeilen hinterherzulaufen.
Ebenso sinnvoll ist es, Investments auf verschiedene Branchen, Unternehmen und Regionen zu verteilen, statt alles auf eine einzige Idee zu setzen.
Wer alles auf ein einzelnes Unternehmen oder eine Branche setzt, erhöht sein Risiko zusätzlich.
Außerdem kann es helfen, die Welt aufmerksam zu beobachten, Veränderungen wahrzunehmen und sich zumindest gelegentlich mit den eigenen Investments zu beschäftigen.
Und vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt:
An den Börsen wird es immer wieder turbulente Phasen geben. Genau in diesen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren, ist oft entscheidender als der perfekte Einstiegszeitpunkt.
Denn langfristig sind es häufig nicht die mutigsten Anleger, die erfolgreich werden — sondern die geduldigsten.
Wer das verinnerlicht hat, ist bereit für den nächsten Schritt: die richtigen Instrumente kennenlernen. Und eines davon hat sich für viele Anfänger besonders bewährt – der ETF.
Ein Blick hinter die Kulissen
Um ehrlich zu sein: Wie du im ersten Artikel erfahren hast, war das erste Geld, das ich investiert habe, ein Geschenk meiner Großmutter. Das Ziel war, es möglichst sinnvoll anzulegen. Also habe ich ohne eine echte Strategie – aber immerhin gleichmäßig aufgeteilt – in Unternehmen aus dem damaligen DAX 30 investiert. Bekannte Namen wie Commerzbank, E.ON, BASF oder Munich Re.
Alles keine schlechten Unternehmen, teilweise Branchenführer und weltweit bekannt. Einige haben sich jedoch schlechter entwickelt als erhofft und ich habe sie nach und nach mit Verlust verkauft – die Commerzbank zum Beispiel. Ironischerweise steht die Bank heute wieder deutlich besser da als zu dem Zeitpunkt, als ich verkauft habe.
Aber mein eigentlicher Fehler war ein anderer – und einer den viele Anfänger machen: Ich habe mich zu sehr auf den Heimatmarkt konzentriert. Dieser „Fehler“ hat sogar einen eigenen Namen: Home Bias.
Home Bias beschreibt die Tendenz von Anlegern, bevorzugt in Unternehmen aus dem eigenen Land zu investieren – oft weil sie diese kennen und ihnen vertrauen. Das Problem: Man schränkt damit die eigene Streuung erheblich ein und setzt unbewusst zu viel auf einen einzigen Markt.
Und das war mein größter Fehler in der Anfangszeit. Ich habe den Blick nicht weit genug geöffnet – zum Beispiel nicht nach Amerika. Dort hatte Amazon zur gleichen Zeit noch einmal richtig den Turbo gezündet.
Ich habe diese Chance verpasst, weil ich zu sehr auf große deutsche Unternehmen fokussiert war, statt über den Tellerrand zu schauen.
Falsch gedacht.
Die Möglichkeiten Fehler zu machen sind ziemlich vielseitig – und ein persönliches Risiko besteht eben auch darin, die Augen nicht weit genug für andere Märkte zu öffnen.
Natürlich folgten noch weitere Fehler. Auch Kurseinbrüche wie nach dem Brexit oder während COVID-19 haben ihre Spuren im Depot hinterlassen – und gleichzeitig neue Chancen eröffnet. Am Ende ist vieles eine Frage der Perspektive – und der Fähigkeit, Ruhe zu bewahren. Aber das ist eine andere Geschichte – für einen anderen Artikel.