Strategie & Risiko | Grundlagen Teil 1/11

Investieren für Anfänger: Die 7 wichtigsten Grundlagen

Aktualisiert: 12. Juni 2026

Investieren für Anfänger beginnt nicht mit der Frage welche Aktie oder welchen ETF du kaufen sollst – sondern mit ein paar Grundsätzen die wichtiger sind als jede Kaufentscheidung. Egal ob dein Ziel darin besteht, im Alter einmal besser abgesichert zu sein, langsam ein passives Einkommen aufzubauen oder in jungen Jahren auf einen späteren Immobilienkauf hinarbeiten möchtest: Entspannt investieren und ruhig schlafen kannst du nur dann, wenn deine finanzielle Grundlage und dein Mindset stimmen. Denn eines ist ziemlich sicher: An den Finanzmärkten geht es nicht nur bergauf.

Kurse können auch fallen. Mal stärker, mal schwächer. Gründe dafür gibt es viele: schlechte Unternehmensnachrichten, wirtschaftliche Probleme, politische Entscheidungen oder geopolitische Krisen. Wichtiger als die Ursachen ist jedoch etwas anderes:
Du solltest finanziell und mental so aufgestellt sein, dass dich solche Phasen nicht in Panik versetzen.

Warum du dir vor dem Investieren einen Überblick über deine Finanzen verschaffen solltest

Bevor du also dein Geld an den Finanzmärkten investierst, ist es hilfreich, dass du deine eigene finanzielle Situation kennst.

⦁ Wie hoch sind deine monatlichen Einnahmen?
⦁ Welche festen Ausgaben hast du?
⦁ Wie viel bleibt am Monatsende tatsächlich übrig?

Schreibe dir deine regelmäßigen Kosten auf, zum Beispiel Miete, Strom und Wasser, Telefon und Internet, Lebensmittel und Kleidung, Versicherungen sowie für Benzin oder öffentliche Verkehrsmittel. Auch jährliche Kosten wie eine Kfz-Versicherung oder andere Beiträge solltest du berücksichtigen. Teile sie einfach durch zwölf Monate, um einen realistischen monatlichen Überblick zu bekommen.

Erst wenn du deine laufenden Kosten kennst, weißt du, wie viel Geld du langfristig sparen oder investieren kannst.

Warum du vor dem Investieren zuerst Schulden abbauen solltest

Bevor du mit dem Investieren anfängst, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf deine aktuelle finanzielle Situation. Falls du noch Schulden hast – sei es ein Dispokredit, Kreditkartenschulden oder ein teurer Konsumkredit – macht es Sinn, diese zuerst anzugehen. Nicht weil Investieren falsch wäre, sondern weil Dispozinsen von oft 10 bis 15 % pro Jahr kaum durch Renditen ausgeglichen werden können.

Kurz gesagt: Was du an Zinsen sparst, ist genauso viel wert wie eine Rendite in gleicher Höhe – nur ohne Risiko.

Wie du Geld zum Investieren freimachen kannst

Nicht jeder kann sofort große Summen sparen. Das muss auch nicht das Ziel sein. Oft reicht es schon, die eigenen Ausgaben bewusster wahrzunehmen und Gewohnheiten zu hinterfragen.

Zum Beispiel: Muss es wirklich immer das neueste Smartphone sein? Gehe ich mehrmals pro Woche essen? Brauche ich täglich einen Kaffee unterwegs?

Es geht nicht darum, sich alles zu verbieten. Du willst schließlich auch leben und dir Dinge gönnen.
Sondern darum, herauszufinden, welche Ausgaben dir wirklich wichtig sind und welche eher Gewohnheit geworden sind. Auch ein Vergleich von Stromanbietern, Versicherungen und Kontoführungsgebühren kann schnell Geld sparen.

Und genau dieses Geld kann später dein erstes Investment werden.

Warum du vor dem Investieren einen finanziellen Puffer aufbauen solltest

Nicht nur die Börse schwankt, auch das Leben selbst ist unvorhersehbar.

Vielleicht verlierst du deinen Job. Das Auto muss plötzlich repariert oder ersetzt werden. Die Waschmaschine geht kaputt. Oder eine andere unerwartete Ausgabe taucht genau dann auf, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann. Damit dich solche Situationen finanziell nicht aus der Bahn werfen, solltest du dir einen finanziellen Puffer aufbauen.

Wenn du die vorherigen Punkte bereits umgesetzt hast, also einen Überblick über deine Finanzen hast, Schulden reduziert oder abgebaut hast und Einsparmöglichkeiten gefunden hast, dann ist das der nächste wichtige Schritt. Lege Rücklagen an, auf die du im Notfall schnell zugreifen kannst.

Ein grober Richtwert liegt bei etwa drei bis sechs Monatsausgaben. Wie hoch dein Puffer genau sein sollte, hängt auch davon ab, wie sicher du dich persönlich fühlen möchtest.

Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch raten: Weniger als drei Monatsgehälter sollten es nicht sein.

Investiere nur Geld, das du langfristig nicht brauchst

Das ist einer der wichtigsten Grundsätze überhaupt.

Investiere an den Kapitalmärkten nur Geld, das du in den nächsten Jahren nicht zwingend benötigst. Warum? Weil Kurse kurzfristig stark schwanken können. Wenn du Geld investierst, das du bald wieder brauchst, gerätst du schnell unter Druck und musst im schlimmsten Fall mit Verlust verkaufen.

Zeit ist einer der wichtigsten Faktoren beim Investieren. Je länger dein Anlagehorizont ist, desto entspannter kannst du mit Schwankungen umgehen.

Warum du Risiken beim Investieren verstehen solltest

Investieren bietet Chancen, birgt aber eben auch Risiken.

Und Risiken sollte man nicht ignorieren, sondern verstehen und bewusst damit umgehen. Ein Hochseilartist im Zirkus arbeitet schließlich auch mit einem Sicherheitsnetz. Nicht, weil er ständig fällt, sondern weil er weiß, dass es passieren kann.

Genau darum geht es auch beim Investieren.

Wann du bereit bist, mit dem Investieren zu starten

Sobald deine Einnahmen und Ausgaben bekannt sind, Schulden und teure Verbindlichkeiten reduziert wurden, Einsparmöglichkeiten gefunden sind und dein finanzieller Puffer steht, dann kann es langsam mit dem eigentlichen Investieren losgehen.

Dann stellen sich Fragen wie:

⦁ Welches Depot passt zu mir?
⦁ Welche Strategie möchte ich verfolgen?
⦁ Welcher Anlegertyp bin ich eigentlich?
⦁ Und welche Aktien oder ETFs kommen überhaupt infrage?

Wenn du diese Grundlagen verstanden hast, bist du bereits weiter als viele Anfänger am Markt.

Jetzt stellt sich die entscheidende Frage: Wie viel Geld solltest du eigentlich investieren, um sinnvoll zu starten? – ohne dich zu überfordern?

Meine persönlichen Erfahrungen

Als ich mich 2014 zum ersten Mal mit dem Thema Investieren beschäftigt habe, hatte ich viele der oben genannten Punkte bereits unbewusst verinnerlicht. Obwohl mir niemand wirklich beigebracht hat, wie man mit Geld umgeht, waren mir Schulden schon immer ein Graus – und ich habe nie welche gemacht. Auch meine Finanzen hatte ich glücklicherweise immer im Blick und im Griff.

Das Investieren an Kapitalmärkten habe ich lange für den Spielplatz der „Reichen und Großen“ gehalten – für Menschen, die sich Beratung und Optimierung leisten konnten, um ihr Vermögen zu mehren.

Dass das nicht stimmt, habe ich nicht zuletzt durch Bücher wie „Der reichste Mann von Babylon“ von George S. Clason verstanden – ein schmales, leicht lesbares Buch das durch einfache, kurze Geschichten zeigt, dass die Grundprinzipien des Vermögensaufbaus eigentlich simpel sind und jedem offenstehen.

Dennoch habe ich den Schritt an die Börse 2014 dann eher widerwillig gewagt – in einer Phase niedriger Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten und nachdem mir meine Oma ein paar tausend Euro geschenkt hatte, die ich sinnvoll anlegen wollte.

Und auch wenn ich am Anfang einige Fehler gemacht habe – bereut habe ich diese Entscheidung bis heute nicht. Im Laufe der Zeit habe ich dann auch eigenes Geld investiert, zunächst mit durchwachsenem Erfolg und wechselnden Strategien. Aber das ist eine andere Geschichte – für einen anderen Artikel.

Vertiefende Beiträge

Ein Notgroschen ist dein finanzielles Sicherheitsnetz – aber wie groß er wirklich sein sollte, hängt von deiner Lebenssituation ab.

→ Notgroschen aufbauen: Wie viel brauchst du wirklich?

Wie der Zinseszinseffekt deinen Vermögensaufbau beschleunigen kann: 

→ Zinseszinseffekt einfach erklärt – warum Zeit der entscheidende Faktor ist

Nach oben scrollen