Depot & Steuern | Vertiefung
Gebühren beim Investieren: Wie sie deine Rendite beeinflussen
Aktualisiert: 15. Juli 2026
Wie stark sich Gebühren beim Investieren auf die tatsächliche Rendite auswirken, überrascht viele Anleger. Ein kleiner Prozentsatz hier und da kann sich schnell zu einem größeren negativen Effekt entwickeln. Schauen wir uns das einmal genauer an.
Zwei Anleger, Donald und Dagobert, legen jeweils 10.000 € an der Börse an. Während Donald den erstbesten Anbieter wählt, geht Dagobert etwas cleverer vor und informiert sich über seinen künftigen Broker und dessen Konditionen für Depotgebühren, Verwahrungs- und Verwaltungskosten sowie Handelsgebühren.
Nach zehn Jahren vergleichen beide ihre Investmenterfolge. Der Unterschied überrascht beide – aber aus unterschiedlichen Gründen.
Aber welche Gebühren gibt es überhaupt – und worauf solltest du achten?
Welche Gebühren gibt es?
- Ordergebühren: ein fixer Betrag oder prozentualer Anteil am Orderwert.
- Depotgebühren: monatlich, quartalsweise oder jährlich anfallende Gebühren deines Brokers oder deiner Bank.
- Total Expense Ratio (TER) bei ETFs: eine niedrige prozentuale Verwaltungsgebühr.
- Spread: die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs eines Wertpapiers.
- Fremdwährungsgebühren: Kaufst du Aktien oder ETFs, die in einer anderen Währung notiert sind – zum Beispiel US-Dollar – berechnen viele Banken und Broker eine Gebühr für die Währungsumrechnung. Diese kann je nach Anbieter zwischen 0,5 % und 1,5 % des Orderwertes betragen und wird oft still und leise beim Kauf oder Verkauf einbehalten.
Ordergebühren – was du pro Kauf zahlst
Ordergebühren sind Gebühren, die beim Kauf oder Verkauf von Aktien oder ETFs anfallen. Diese unterscheiden sich von Bank zu Bank bzw. Broker deutlich. Bei vielen Onlinebanken ist es beispielsweise so, dass für jede ausgeführte Order ein Grundpreis und zusätzlich eine Provision anfällt.
Bei einer klassischen Onlinebank können die Kosten für Aktienkäufe beispielsweise so aussehen: ein Grundpreis von 4,95 € + 0,25 % Provision + individuelle Handelsplatzgebühr – mindestens jedoch 9,95 € bis maximal 69 €.
Was im ersten Moment vielleicht kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach. Wenn du beispielsweise 1.000 € in eine Aktie investieren möchtest, berechnen sich die Kosten folgendermaßen:
- Grundpreis: 4,95 €
- Provision: 2,50 €
- Handelsplatzgebühr: 0,95 €
In Summe: 8,40 €
Da jedoch eine Mindestgebühr von 9,95 € angegeben ist, musst du 9,95 € zahlen. Dies entspricht etwa 1 % deines Investments.
Angenommen du investierst 10.000 €, würde dich die Order 4,95 € Grundgebühr + 0,95 € Handelsplatzgebühr + 25 € Provision kosten – gesamt also 30,90 €, was etwa 0,31 % Gebührenanteil entspricht.
Bei einem Investment von 100.000 € würde allein die Provision 250 € betragen – da jedoch eine Höchstgebühr von 69 € je Order gilt, zahlst du auch nur diese 69 €. Das entspricht dann etwa 0,07 % Gebührenanteil am Orderwert.
Je kleiner deine Investition, desto stärker wirken sich fixe Kosten wie der Grundpreis oder die Handelsplatzgebühr aus. Variable Kosten wie die Provision verursachen hingegen bis zu einem bestimmten Betrag einen gleichmäßigen Anteil an den Gesamtkosten. Erst mit Überschreiten einer bestimmten Investitionshöhe sinkt deren Anteil an den Orderkosten, da die Orderkosten auf maximal 69 € gedeckelt sind.
In einem Satz: Je höher deine Investition, desto geringer der Gebührenanteil im Verhältnis zum investierten Betrag.
Depotgebühren – laufende Kosten einfach erklärt
Viele Onlinebanken oder Neo-Broker bieten ein kostenloses Wertpapierdepot an. Du zahlst also weder eine Grundgebühr noch eine prozentuale Verwahrungsgebühr auf die Aktien- oder ETF-Werte, die dort verwahrt werden. Doch es geht auch anders.
Insbesondere bei klassischen Filialbanken fallen oft Depotgebühren und/oder Verwahrungsgebühren an. Diese können monatlich, quartalsweise oder jährlich anfallen.
Zum Beispiel kann es sein, dass eine Bank eine Quartalsgebühr von 12,50 € für das Wertpapierdepot verlangt. Dies entspricht dann 50 € pro Jahr. Zusätzlich kann eine prozentuale Verwahrungsgebühr je Wertpapier anfallen, die sich am aktuellen Kurswert orientiert. Diese bewegt sich oft im Bereich zwischen 0,10 und 0,20 %.
Da die Banken den Kurswert je Position zur Berechnung heranziehen, können sich mehrere Nachteile ergeben.
Der Kurswert deiner Position ist zunächst nur eine Zahl auf deinem Bildschirm. Da du wahrscheinlich vorhast, lange zu investieren, fallen diese Kosten regelmäßig an, ohne dass du Wertpapiere verkaufst um diese Kosten zu decken. Sie werden also direkt deinem Verrechnungskonto abgezogen.
Außerdem spielt es für die Bank keine Rolle, ob du ein gutes oder schlechtes Jahr bei deinen Investments hattest. Die Verwahrungsgebühren fallen trotzdem an. In absoluten Zahlen vielleicht etwas geringer als im Vorjahr, wenn sich dein Depot kaum oder negativ entwickelt hat – zahlen musst du trotzdem.
Bei einer Anfangsinvestition von 10.000 € könnte das folgendermaßen aussehen:
- Bei 10.000 € Depotwert im ersten Jahr fallen bei 0,20 % Verwahrungsgebühr 20 € an.
- Im zweiten Jahr und einem angenommenen Depotwert von 11.000 € mit 22 €.
- Im dritten Jahr, in dem deine Investition vielleicht an Wert verliert und auf 9.000 € fällt, sind es 18 €.
Kurz gesagt: Anders als bei ETFs wo die TER direkt aus dem Fondsvermögen entnommen wird und im Kurs bereits eingepreist ist, werden Depot- und Verwahrungsgebühren bei Banken in der Regel separat ausgewiesen und vom Verrechnungskonto abgezogen.
Die Bank gewinnt immer, wie es so schön heißt.
TER – die jährliche Verwaltungsgebühr bei ETFs
Auch wenn ETFs in Hinblick auf Kaufgebühren oft sehr günstig oder sogar kostenlos als Sparpläne angeboten werden, fallen bei diesen Kosten für die Verwaltung an. Die sogenannte „Total Expense Ratio“, abgekürzt TER, wird von den Fondsgesellschaften, die die jeweiligen ETFs ausgeben, erhoben und direkt aus dem Wert des jeweiligen ETF herausgerechnet. Dir fallen also keine Gebühren direkt auf, die von deinem Verrechnungskonto abgebucht werden.
Wie das genau funktioniert und wie sich diese Kosten auf deine Rendite auswirken können, erkläre ich detailliert im Beitrag „ETF auswählen: Die wichtigsten Kriterien für Anfänger einfach erklärt“.
Der Spread – die unsichtbare Gebühr
Wenn du eine Aktie oder einen ETF kaufen möchtest, wirst du im Handel immer zwei Preise sehen: den Kaufpreis (Ask) und den Verkaufspreis (Bid). Die Differenz zwischen diesen beiden Preisen nennt sich Spread.
Festgelegt wird der Spread von sogenannten Market Makern – das sind spezialisierte Finanzinstitute, die kontinuierlich Kauf- und Verkaufspreise zur Verfügung stellen und dafür sorgen, dass Käufer und Verkäufer zusammenfinden. Als Gegenleistung verdienen sie an eben dieser Differenz. Wichtig zu verstehen: Market Maker sind nicht mit Handelsplätzen wie Tradegate oder Xetra zu verwechseln. Tradegate ist der Handelsplatz, der Market Maker stellt dort fortlaufend Kauf- und Verkaufskurse bereit.
Für dich als Anleger bedeutet das: Du kaufst immer zum höheren Preis und verkaufst zum niedrigeren. Der Spread stellt somit zusätzliche Handelskosten dar, die bei jedem Kauf und Verkauf entstehen, ohne dass sie separat ausgewiesen werden.
Insbesondere Neo-Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital verlangen häufig nur sehr geringe Ordergebühren oder bieten bestimmte Wertpapierkäufe bereits ab 1 € beziehungsweise im Rahmen von Sparplänen sogar kostenlos an. Möglich wird dies unter anderem durch alternative Einnahmequellen wie das sogenannte Payment for Order Flow. Dabei wird deine Order gezielt an bestimmte Market Maker weitergeleitet, von denen der Broker eine Vergütung erhält. Je nach Handelsplatz, Handelszeit und Wertpapier kann der Spread für dich als Anleger unterschiedlich ausfallen und in manchen Fällen etwas höher sein als an anderen Börsenplätzen.
Bei vielgehandelten Wertpapieren wie dem MSCI World ETF oder Aktien wie Apple, Microsoft und so weiter, ist der Spread in der Regel sehr gering – oft nur wenige Cent. Bei kleineren oder weniger gehandelten Wertpapieren kann er deutlich höher ausfallen.
Da an den Handelsplätzen weltweit täglich Millionen von Orders ausgeführt werden, reichen bereits kleine Spreads aus, um für Market Maker ein profitables Geschäftsmodell zu ermöglichen.
Der unterschätzte Effekt: Wie Gebühren langfristig dein Vermögen beeinflussen
Und was ist nun aus Donald und Dagobert geworden?
Nehmen wir an, dass Donald und Dagobert ihr Vermögen zum gleichen Zeitpunkt einmalig in dasselbe Wertpapier investiert haben. Dadurch erleben beide auch exakt dieselbe Marktentwicklung.
Während Donald für den Kauf 30,90 € Gebühren zahlt und zusätzlich jährlich 50 € Depotgebühren sowie 0,20 % Verwahrungsgebühren auf seinen Depotwert entrichten muss, zahlt Dagobert lediglich einmalig 1 € Ordergebühr. Laufende Kosten entstehen für ihn nicht.
Über einen Zeitraum von zehn Jahren wird für beide Anleger eine durchschnittliche Wertentwicklung von 7 % pro Jahr angenommen.
Die folgende Grafik zeigt, welchen Einfluss unterschiedliche Gebührenmodelle auf die langfristige Vermögensentwicklung haben können. Der einzige Unterschied zwischen beiden Anlegern liegt in den anfallenden Kosten. Da in diesem Modell weder Verkäufe noch Dividendenausschüttungen berücksichtigt werden, bleiben auch Steuern und mögliche Freibeträge außen vor.
Die Berechnung dient ausschließlich der Veranschaulichung. Tatsächliche Gebührenmodelle unterscheiden sich je nach Anbieter und können zu anderen Ergebnissen führen.
- Die orange Linie (mit laufenden Gebühren) erreicht nach zehn Jahren einen Depotwert von rund 18.562 €.
- Die grüne Linie (ohne laufende Gebühren) liegt nach zehn Jahren bereits bei etwa 19.670 €.
Übrigens: Nach zwanzig Jahren beträgt der Unterschied bereits rund 3.500 €, nach dreißig Jahren sogar etwa 9.000 €.
Obwohl der Unterschied bei den Gebühren zunächst gering erscheint, wächst der Abstand zwischen beiden Vermögensentwicklungen von Jahr zu Jahr. Der Grund dafür ist der Zinseszinseffekt: Nicht nur die gezahlten Gebühren fehlen im Depot, sondern auch die Erträge, die dieses Geld im Laufe der Zeit hätte erwirtschaften können. Dadurch wirken sich selbst scheinbar kleine Gebühren langfristig deutlich auf den Vermögensaufbau aus.
Donald und Dagobert haben dieselbe Rendite erzielt – den Unterschied machen allein die Gebühren.
Falls du mehr darüber erfahren möchtest, wie der Zinseszinseffekt funktioniert und wie du ihn für dich arbeiten lassen kannst, findest du hier einen passenden Artikel dazu. „Zinseszinseffekt einfach erklärt – warum Zeit der entscheidende Faktor ist“
Gebühren vergleichen – worauf du achten solltest
- Fallen Depot- oder Verwahrungsgebühren an?
- Wie hoch sind die Kosten für Kauf- und Verkaufsorders?
- Können Sparpläne – insbesondere auf ETFs – kostenlos oder günstig ausgeführt werden?
- Wie hoch ist die Total Expense Ratio (TER) bei ETFs?
Meine persönlichen Erfahrungen
Ich habe es ja schon im Grundlagenartikel über das Eröffnen eines Wertpapierdepots verraten: Mein erstes Depot war leider nicht das Gelbe vom Ei.
Hohe Grundgebühren, teure Orderplatzierungen, die auch dann Kosten verursacht haben, wenn sie nicht ausgeführt wurden, und grundsätzlich unverhältnismäßig hohe Gebühren bei der Ausführung. Gerade wenn man mit kleineren Beträgen Einmalkäufe tätigt, können schnell Kosten in Höhe von 3–5 % entstehen. Und je kleiner die Beträge, desto höher der Kostenanteil. Diesen Nachteil muss dein Investment erst einmal durch Wachstum wieder reinholen, bevor du überhaupt ins Plus kommst.
Ich habe dann glücklicherweise relativ schnell den Wechsel zu einer anderen Bank vollzogen. Diese hat ein Gebührenmodell, das in etwa dem obigen Ordergebühren-Beispiel entspricht. Das ist sicherlich nicht das günstigste am Markt, aber stur nach den günstigsten Konditionen gehe ich persönlich auch nicht. Für mich spielen ebenfalls die Produktauswahl, der Bedienkomfort, die Erreichbarkeit des Kundenservice und ähnliche Punkte eine Rolle. All das kostet die Anbieter natürlich Geld, das auch wieder verdient werden muss, um diesen Service aufrechtzuerhalten.
Wäre ich Daytrader, würde ich das vermutlich anders angehen und mehrere Broker nutzen, die jeweils für bestimmte Zwecke optimiert sind. Als Privatanleger, der nur wenige Trades im Jahr macht und einige Sparpläne laufen lässt, ist ein Broker, der preislich im Mittelfeld liegt, für mich völlig in Ordnung.
Ich persönlich versuche, Einzelkäufe immer so zu gestalten, dass die Gebühren nicht mehr als etwa 1 % der Investitionssumme ausmachen. Das ist mein persönlicher Richtwert, mit dem ich gut klarkomme.
Denn die besten Konditionen bringen wenig, wenn ich beispielsweise die Aktien nicht kaufen kann, die ich möchte, oder die Auswahl an Sparplänen nicht zu meiner Strategie passt.
Man sollte nicht mehr bezahlen als unbedingt notwendig. Aber das gesamte Paket muss meiner Meinung nach ebenfalls passen. Für jeden Anleger gibt es den passenden Anbieter – und umgekehrt.
Vertiefende Beiträge
Langfristig investieren ist das Eine – die passende Vorgehensweise das Andere. Lerne die Vor- und Nachteile von Einmalkäufen und Sparplänen kennen.
→ Sparplan oder Einmalkauf – welche Strategie passt besser zu dir?