Strategie & Risiko | Grundlagen Teil 11/11
Aktien und ETFs verkaufen: Was du wissen solltest
Aktualisiert: 23. Juni 2026
Aktien und ETFs zu verkaufen gehört zum Investieren ebenso dazu wie das Kaufen. Schließlich willst du auch, dass sich die Risiken, die du eingegangen bist, irgendwann bezahlt machen – habe ich recht?
Früher oder später kommt jeder, der an der Börse investiert, an den Punkt, an dem er Aktien wieder verkauft. Auch wenn die Beweggründe unterschiedlich sein können – vom Wechsel der Strategie über Verlustbegrenzung bis hin zum Verkauf an einem selbst festgelegten Meilenstein.
Das Ziel beim „verantwortungsvollen“ Investieren ist nicht, ständig zu handeln. Das sogenannte Daytrading ist eher Spekulation auf kurzfristige Kursänderungen als klassisches Investieren.
Gründe für den Verkauf von Aktien und ETFs
- Das Geld wird anderweitig (dringender) benötigt
- Ein gesetztes Ziel wurde erreicht
- Änderung der Strategie
- Risikoreduzierung
- Ein Unternehmen passt nicht mehr zu „dir“
- Umschichtungen
- Verlustbegrenzung
Wie der Verkauf von Aktien und ETFs funktioniert
In der Praxis funktioniert ein Verkauf meistens so: Du wählst das Wertpapier aus, das du handeln möchtest, und klickst auf den Verkaufsbutton.
Im Anschluss kannst du die gewünschte Stückzahl festlegen und die sogenannte Orderart auswählen. Oft kannst du auch noch den Handelsplatz wählen – zum Beispiel Xetra (Deutsche Börse) oder Plattformen wie Tradegate oder kleinere Börsen wie Stuttgart oder München.
Deine Wertpapiere können grundsätzlich an jedem Handelsplatz gehandelt werden, der für das jeweilige Wertpapier verfügbar ist. Allerdings unterscheiden sich sowohl Angebot und Nachfrage als auch die Gebühren je nach Handelsplatz – teilweise deutlich.
Market Order und Limit Order erklärt
- Market Order
- Limit Order
Teilverkauf oder Komplettverkauf?
Wie bereits angeschnitten, kannst du auch nur bestimmte Stückzahlen deiner Position verkaufen. Bei manchen Brokern sogar Bruchteile einer Aktie oder eines ETFs.
Du bist nicht gezwungen, eine Position komplett zu verkaufen. Teilverkäufe können sinnvoll sein, wenn du Gewinne realisieren oder Kapital umschichten möchtest. Ein starres Rebalancing spielt dabei für viele langfristige Anleger – je nach Strategie – keine zentrale Rolle.
Außerdem kann es sinnvoll sein, eine Position schrittweise zu verkaufen, wenn du dich vollständig davon trennen möchtest. So verteilst du den Verkauf auf unterschiedliche Kursniveaus statt auf einen einzigen Zeitpunkt.
Wann verkaufen – und wann lieber nicht?
Angst ist der mit Abstand schlechteste Ratgeber.
Wenn der Kurs einer Aktie über Nacht um 10 % einbricht, weil eine schlechte Schlagzeile die öffentliche Diskussion beherrscht, solltest du vor allem eines tun: nicht in Panik verfallen und verkaufen.
Verschaffe dir einen Überblick und ordne ein, wie relevant die Nachricht wirklich ist.
Am Beispiel von Pharma-Unternehmen sieht man häufig, dass Kurse einbrechen, weil etwa eine Medikamentenstudie in Phase 3 fehlgeschlagen ist. Dann reagieren Algorithmen, Verkaufsorders werden ausgelöst und die Kurse fallen kurzfristig stark – obwohl das Unternehmen weiterhin existiert.
Wirkliche Verkaufsgründe sollten eher sein:
- Das Unternehmen passt nicht mehr zu deiner Strategie oder Investmentthese
- Du siehst dauerhaft höhere Risiken durch schlechter werdende Nachrichten oder Quartalszahlen
- Du hast eine aus deiner Sicht bessere Alternative gefunden
- Du möchtest Gewinne realisieren – Gewinnmitnahmen haben an der Börse noch nie geschadet (alte Börsenweisheit)
Was passiert steuerlich beim Verkauf?
Beim Verkauf von Aktien oder ETFs wird der erzielte Gewinn grundsätzlich steuerlich berücksichtigt.
Ganz kurz zusammengefasst:
- Gewinne → sind steuerpflichtig
- Verluste → können mit Gewinnen verrechnet werden
- Freistellungsauftrag → wird dabei automatisch berücksichtigt
- Steuerabzug → erfolgt in der Regel direkt durch den Broker
In der Praxis läuft das meist automatisch im Hintergrund ab. Du musst dich um die technische Abwicklung kaum kümmern – entscheidend ist, dass dein Freistellungsauftrag korrekt eingerichtet ist. Wie das genau funktioniert, haben wir uns im vorherigen Teil zur Kapitalertragsteuer und zum Freistellungsauftrag angeschaut.
Auf den Punkt gebracht:
Deine Strategie sowie die für dich selbst festgelegten Regeln und Ziele sollten den Verkaufszeitpunkt und den Umfang deiner Verkäufe bestimmen. Dazu gehören beispielsweise klare Grenzen, wann du Gewinne realisierst oder Verluste begrenzt. Auch das Wiederherstellen eines Gleichgewichts im Depot oder eine gezielte Umschichtung in andere Anlagen kann ein sinnvoller Verkaufsgrund sein.
Wichtig ist, dass du dich an deine eigenen Regeln hältst und nicht aus dem Bauch heraus handelst. Wenn du diszipliniert nach deiner Strategie vorgehst, stellt sich der langfristige Erfolg in der Regel von selbst ein.
Meine persönlichen Erfahrungen
Aktienverkäufe sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Ich habe im Laufe der Zeit wahrscheinlich fast alles erlebt, was man erleben kann – im Positiven wie im Negativen.
Ich habe Unternehmen, von denen ich eigentlich überzeugt war, viel zu früh verkauft. Einfach wegen einer Schlagzeile, bei der ich dachte: „Davon erholen die sich nie wieder.“ Im Nachhinein stellte sich heraus: Nach einer kleinen Delle im Kurs sind manche dieser Unternehmen noch deutlich weiter gestiegen.
Ich habe aber auch Verkäufe mit guten Gewinnen gemacht – mit klaren Zielen und einem vorher festgelegten Plan.
Zwischendurch hatte ich Phasen, in denen ich nach Kursanstiegen einen Teil verkauft habe, um meinen ursprünglichen Einsatz wieder herauszuholen und neu zu investieren. Der Rest blieb liegen. Mit der Zeit entstanden dadurch immer mehr kleine Positionen im Depot – und irgendwann wurde das eher unübersichtlich als sinnvoll.
In meiner Anfangszeit habe ich außerdem mit Pennystocks experimentiert. Unterm Strich war das vor allem nervenaufreibend und am Ende eher ein Nullsummenspiel.
Ich habe auch schon Aktien verkauft, um Verluste zu begrenzen. Teilweise mit Trailing-Stop-Loss-Orders – vor allem bei Unternehmen, von denen ich selbst nicht vollständig überzeugt war.
Heute habe ich für mich die Regel, möglichst wenig anzurühren.
Ich führe auch keine Rebalancing-Verkäufe durch, bei denen das Depot wieder in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden soll. Stattdessen versuche ich, neues Kapital möglichst gleichmäßig auf meine Positionen zu verteilen. Wie sich die Kurse anschließend entwickeln, ist für mich zweitrangig.
Mein Ziel ist es, möglichst lange zu halten. Verkäufe machen deshalb für mich nur selten Sinn – und am Ende bedeutet jeder Verkauf auch, dass das Geld wieder irgendwo investiert werden muss. Dadurch würde mein Depot langfristig immer größer und komplexer.
Solange nichts wirklich Dramatisches passiert, bleibe ich meiner Strategie treu: solide Unternehmen langfristig halten – in guten wie in schlechten Zeiten.
Das „Luxusproblem“ des Verkaufens schiebe ich deshalb möglichst lange vor mir her.
Und ich wünsche dir, dass dir das genauso gelingt.